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Zweiter
Teil:
Von Zypern
durch das Rote Meer und durch den Indischen Ozean nach Phuket
Dritter
Teil:
Durch die Malakka-
Strasse ins Süd-
chinesische Meer in die
Philippinen
Vierter
Teil:
Von den Philippinen durch die Sulu Sea nach Australien
Fünfter
Teil:
Von Sydney nach Neuseeland und Törns in Neuseeland
Sechster Teil:
Von
Neuseeland durch die Südpazifischen Inseln und zurück nach Neuseeland
Siebenter
Teil: Von Neuseeland nach Chile und nach Ushuaia in Patagonien
Achter
Teil:
Von Ushuaia
über Buenos Aires, Uruguai, Brasilien und Kuru nach Trinidad, Kleine Antillen
Neunter
Teil:
Von Trinidad durch die Kleinen Antillen, nach
Antigua, in die Bermudas, in die Azoren und nach Gibraltar
Zehnter
Teil:
Von Gibraltar zu den
Balearen, nach Sardinienund nach Sizilien und nach Griechenland
Anhang: Mitsegelmöglichkeiten
und Bedingungen
| | Von
Santos über Paraty nach Rio de Janeiro
Santos ist eine grosse Stadt und sehr weitläufig. Den ganzen Tag
brauchte ich, um den Behördenkram zu erledigen und an einem Automaten Geld
herauszulassen, was mir aber nicht gelungen ist. So viele Maschinen habe ich
ausprobiert und es lief nichts! meine Postcard wird nicht bedient. In mindestens
zehn Banken habe ich es probiert. Da ich nur mehr wenige Dollars habe, wollte
ich in einer Bank Reales beziehen.
Zwei Tage war das Liegen in der Marina gratis und dann wollten sie 143
Reales, was umgerechnet neunzig Dollar sind – ein stolzer Preis! Da ich nicht
soviel brasilianisches Geld hatte, bin ich nach dem Einkauf im Supermarkt
ausgelaufen. Am 29. Juni ging es also früh am Morgen los um die weite Strecke
nach Ilhabela zu schaffen und noch
vor dem Dunkel werden anzulegen.
Den ganzen Tag war wenig bis gar kein Wind und ich musste alles mit der
Maschine zurücklegen. Ich bin nun in der Kalmenzone, wo es ausser
gelegentlichen Gewittern keinen Wind oder nur Thermik hat. Schon mehr als drei
Grade bin ich jetzt nördlich vom südlichen Wendekreis der Sonne. Mit dem Wind
wird es wohl noch einige Zeit dauern, bis ich in die Passatwind-Zone hinein
komme.
In Ilhabela habe ich in der Marina den Yachtklub rückwärts angelegt.
Hier hatte ich vier freie Tage und es gab auch eine Tankstelle und einen
Supermarkt. Hier konnte ich wieder frische Früchte kaufen und hundert Liter
Diesel bunkern. Der Diesel ist aber sehr teuer, bezahlt man hier doch 2.62
Reales, gleichbedeutend mit 1.70 Dollar.
Die Marina füllte sich mehr und mehr, denn in der folgenden Woche war für
sechs Tage der so genannte Rolex-Cup. Scheinbar hat Rolex sehr viel Geld zur
Verfügung, haben sie doch schon das Buenos Aires–Rio de Janeiro-Rennen
gesponsert.
Weil ich immer noch in Geldnöten bin, verliess ich Ilhabela nach vier
Tagen und segelte (mit dem Motor) die Strecke von 23 Meilen zur Ilha Anchieta,
genannt auch Ilha dos Porcos. Wirklich suchen am Abend, wenn die Touristen weg
sind, etwa zehn Schweine den Strand nach Essbarem ab. Die Insel ist ein
Naturresevat mit einem Ecomuseum. Jeden Tag kommen Pseudosegler aus Holz (Segel
haben sie nie gesehen) in die Bucht Ensanada das Palmas und bringen die
Besucher.
Zwei Tage blieb ich dort und machte auch einen Spaziergang an Land durch
den Urwald, der sich wieder auf der Insel etabliert hat. 1908 wurde auf der
Insel ein Gefängnis gebaut, das wieder aufgegeben wurde. Ich kann mir
vorstellen, dass es schwierig war, die Gefangenen zu verpflegen, da alles vom
Festland herbeigeschafft werden muss – auf den steilen und felsigen Hängen
ist kaum etwas anzubauen.
Am dritten Tag barg ich am morgen früh den Anker und wieder ging es mit
dem Motor weiter. Da es eine lange Strecke (46 Meilen) war, konnte ich auch bei
einem Wind von zehn bis zwölf Knoten nicht segeln, da er fast genau aus der
Richtung kam, wohin ich wollte. Erst als ich gegen Westen abdrehen konnte, kam
er aus der richtigen Richtung, jedoch für acht Meilen setzte ich keine Segel
mehr.
In der weitläufigen Bucht bin ich gegenüber dem Quai der
Touristenschiffe auf drei Meter zwanzig vor Anker gegangen. Hinten in der Bucht
befinden sich drei Marinas, da ich aber ein wenig in Geldnöten bin, kann ich
mir nicht erlauben, die Marinapreise hier zu bezahlen. Es ist schwierig in
Brasilien die Bankomaten zu benutzen, entweder sie akzeptieren die Karte nicht
oder sie schützen technische Schwierigkeiten vor.
Am 16. Juli habe ich die Bucht von Paraty verlassen und bin mit dem Motor
in eine Bucht hinter der Ilha da Cotia gefahren und habe dort auf vier Meter
geankert. Wind hatte ich keinen wie es hier so üblich ist. Es ist eine schöne
Insel und es ist hier sehr sicher. Ich bin noch einen Tag geblieben, bevor ich
weiter „gesegelt“ bin. Noch am gleichen Tag kamen Motorboote und
Segelyachten in die gleiche Bucht und blieben über Nacht. Hier habe ich wieder
ein Brot gebacken, haben doch meine Brote mit Vollkornmehl mehr Konsistenz.
Weiter ging es am dritten Tag auch wieder mit dem Motor. Ich habe wohl
die Segel gesetzt, meine Geschwindigkeit blieben aber fast immer unter zwei
Knoten. Also, Segel wieder bergen und weiter mit dem eisernen Gustav. Nachdem
ich aus den Inseln heraus war, segelte ich durch die Baía da Ilha Grande
Richtung Nordost. Mein Ziel war die Stadt Angra dos Reis, wo ich hoffte, zu Geld
zu kommen.
Am Morgen des 19. Juli brachte ich mit dem Aussenborder mein Gummiboot
ins Wasser. Als ich wegfahren wollte, brach der Plastikstift am Benzinhahn ab
und das Gemisch lief direkt ins Meer. So schnell wie möglich holte ich ein Gefäss
und liess das Benzin in den Behälter laufen. Den Motor wieder an Bord bringen,
einen Versuch machen, dies behelfsmässig zu reparieren, und siehe nach einigen
Versuchen ist es mir gelungen. Am Nachmittag ging’s in die Stadt und vorerst
mal zur Bank. Wieder bekam ich kein Geld!
Mit dem Wenigen was ich habe, muss ich schwer haushalten, habe ich doch
nur noch hundert Reales und hundert US-Dollars. Nach der Bank ging ich ins
Internet, wo sechzehn Nachrichten auf mich warteten, wobei zehn nur Spam waren.
Der Versuch einen Benzinhahn zu bekommen schlug fehl und ich muss bis Rio mit
dem Provisorium auskommen. Im Supermarkt kaufte ich Gemüse und Früchte, sowie
eine Ricotta, Brot und einige Biskuits.
Die Nacht vom Samstag auf den Sonntag war übertrieben laut, spielte doch
in einer Diskothek eine laute Musik und ich hörte die ganze Nacht nur ihre Bässe
– ist das Nerven aufreibend! Und Dies noch bis um fünf Uhr in der Früh.
Am Morgen des nächsten Tages fuhr ich nach dem Abtrocknen des Taus die
neun Meilen bis zur Ilha Grande in die Bucht Ensead do Sito Forte, eine
anscheinend beliebte Ankerbucht mit einem Restaurant, das für die Besucher
einige Moorings gesetzt hat. Auf acht Meter liess ich den Anker fallen und
verbrachte eine stille Nacht, konnte aber trotzdem nicht gut schlafen, weil der
Mond genau auf mein Kopfkissen geschienen hat.
Zehn Meilen waren es nur bis zur nächsten Bucht, sie heißt Saco de Céu.
Wohl hatte ich Wind auf die Nase, aber da ich die Gewässer nicht kenne und
meine Karten nicht präzise genug sind, habe ich aufs Kreuzen verzichtet und bin
mit der Maschine gefahren. Die Bucht ist wirklich wie ein Sack und ist sicher
bei allen Winden gut geschützt. Auch hier sind viele Besucher mit den Schiffen,
Strassen gibt es da nicht. Und die Restaurants florieren!
In dieser Bucht bin ich mit dem Beiboot an Land gegangen und habe kurze
Spaziergänge gemacht. Es gibt nur einen Trampelpfad, wo Flüßchen sind, wurden
Brücken gebaut. Wirklich, es gibt weder Autos noch Fahrräder, alles wird mit
Schiffen gemacht. Die Restaurants haben einen Steg mit einem Schwimmdock, wo
vielleicht Motorboote anlegen können. In diesen drei Tagen waren bis zu elf
Segelyachten und viele Motorboote gekommen. Vor den Restaurants befinden sich
Moorings, bei einem wird sogar beim Anlegen an die Mooring geholfen und die
Leute mit dem Restaurantschiff an Land geholt.
Nun ist der 25. Juli, ich habe den Saco de Céu verlassen und bin die
vier Meilen bis in die nächste Bucht hinein gefahren. Hier, in der Enseada do
Abraão, befindet sich der Hauptort der Ilha Grande. Kaum war ich vor Anker, hat
es angefangen zu blasen. Mein Anker ist gerutscht, weil der Grund aus einem
schwarzen Schlamm besteht. Ich habe das Schiff dann verlegt, wo ich drei Mal
ankern mußte, weil eine Fähre hereingekommen ist. Es hat in der Zwischenzeit
angefangen zu regnen und der Wind ist schwächer geworden.
Der Ort Abraão lebt heute vom Tourismus, vielleicht dreißig
nichtsegelnde Holzschoner fahren jeden Tag mit Menschen beladen hinaus an einen
Sandstrand. Natürlich muß dort auch ein Restaurant sein, damit alle verpflegt
werden können. Mehrere Male am Tag kommen Fähren bringen neue und holen die
anderen ab. Im Dorf konnte ich wieder Früchte und Gemüse kaufen.
Am Sonntag gegen Mittag wollte ich in die nächste Bucht gehen. Jedoch
kam ein starker Nordostwind auf und in der Enseada das Palmas wäre ich schlecht
gelegen. Auch dort, wo ich vorher geankert habe, blies der Wind hinein und
verursachte einen relativ hohen Seegang. Hinter einer Huck
bin ich erneut vor Anker gegangen und hier war ich geschützt. Am
Nachmittag ließ der Wind nach und ich konnte in die vor erwähnte Bucht gehen.
Die Nacht war ruhig und am Morgen bei Tagesanbruch um sechs Uhr ging’s
los um die lange Strecke bis Rio de Janeiro zurückzulegen. Zuerst war wenig bis
gar keinen Wind und dann kam ein schwacher Südwind auf. Ich setzte das Groß,
vor allem um das Schiff bei einer Dünung aus Ost zu stabilisieren. Trotzdem
brachte es etwa, fuhr ich doch um 0.3 bis 0,4 Knoten schneller. Später konnte
ich auch den Klüver setzen und den Motor ausmachen.
Später schlief der Wind wieder ein, also den Klüver wieder herunter. Auf
einmal kam Nordwind auf, ich setzte de Klüver wieder und mußte sogar zwei
Reffs einbinden. Nach ungefähr zwei Stunden war mit dem Nordwind nichts mehr
und keine fünf Minuten später blies es aus Süden. Dieser Wind nahm ständig
ab und ich musste die Reffs wieder ausschütten.
Erstaunlich ist, daß der Wind sich mit der Sonne dreht und er kam
dadurch immer vorlicher ein, bis es nicht mehr möglich war, Kurs zu halten und
hart am Wind zu segeln. Ich barg den Klüver wieder, bändselte ihn an der
Reling fest und fuhr wieder mit dem Motor. Es war ja sowieso ein zu schwacher
Wind und ich machte hart am Wind nur mehr 2,2 Knoten und die Strecke
bis nach Rio war noch lang!
Bis ich in die Bucht von Rio einbiegen konnte, waren es noch zwölf
Meilen. Allmählich wurde es Nacht und die Steilen Felsen von Rio waren gut zu
sehen. Später sah ich auch die Christusstatue auf einem steilen Felsen gut
beleuchtet. Trickreich war die Einfahrt, waren doch die Leuchtfeuer wegen der
Stadtbeleuchtung schlecht auszumachen. Rein nach GPS fuhr ich hinein und beim Pãu
de Açúgar (Zuckerhut) befindet sich eine Bucht mit vielen Booten, wo ich vor
Anker ging.
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