Meine Weltumsegelung

 Unter folgenden Adressen bin ich erreichbar: andre2blanc@acamar.net oder andre2blanc@yahoo.com
Copyright André Blanc, Juni 2009



Zweiter Teil:

Von Zypern durch  das Rote Meer und durch den Indischen Ozean nach Phuket 

Dritter Teil:

Durch die Malakka-

Strasse ins Süd-

chinesische Meer in die Philippinen 

Vierter Teil:  

Von den Philippinen durch die Sulu Sea nach Australien 

Fünfter Teil:  

Von Sydney nach Neuseeland und Törns in Neuseeland 

Sechster Teil: Von Neuseeland durch die Südpazifischen Inseln und zurück nach Neuseeland 

Siebenter Teil: Von Neuseeland nach Chile und nach Ushuaia in Patagonien 

Achter Teil:

Von Ushuaia  über Buenos Aires, Uruguai, Brasilien und Kuru nach Trinidad, Kleine Antillen

Neunter Teil:  

Von Trinidad durch die Kleinen Antillen, nach Antigua, in die Bermudas, in die Azoren und nach Gibraltar

Zehnter Teil:

Von Gibraltar zu den Balearen, nach Sardinienund nach Sizilien und nach Griechenland

Anhang: Mitsegelmöglichkeiten und Bedingungen 

 Die Gewürzroute der arabischen Völker



Von Aden nach Galle Mitte September 2003
            Eben komme ich vom Hafenmeister zurück und hole meinen Pass bei der Emigration (Einwanderungsbehörde) ab. Jetzt kann ich nicht mehr an Land, offiziell habe ich jetzt schon  Jemen verlassen. Alles ist vorbereitet: Wasser und Diesel gebunkert, Früchte, Gemüse und Konserven sind eingekauft. Naser bringt mir noch das Brot und dann, morgen, am siebenten September kann es losgehen. Naser erscheint mit einer immensen Menge Brot, soviel, bevor es schimmelt, kann ich gar nicht essen.

 

 

 


  
         Es ist acht Uhr, Anker auf und los geht’s! Ich melde mich per Funk beim Hafenkapitän ab und die Fahrt kann beginnen. Mein Weg führt mich vorerst unter Motor durch den betonnten Kanal hinaus in den Golf von Aden. „Schön“, sage ich mir „es fängt genau richtig an, wie die Wetterfrösche es vorausgesagt haben“: Westwind, drei Bf. Nichts wie los, die Segel gesetzt und abgebraust in den indischen Ozean. Mit dem gerefften Gross, dem Klüver und der Fock mache ich auch recht viel Fahrt, 51/2 bis 61/2 Knoten.
  
         Lange dauert das Vergnügen nicht, der Wind lässt nach und wird immer schwächer. Schon bald habe ich nur mehr 0,5 Bf und die Fahrt fällt unter zwei kn. Vorsegel bergen, eiserner Gustav an und wieder Richtung Ost. Der Motor fängt an zu stottern, habe ich also in Aden schmutzigen Diesel gebunkert. Damit der Motor rund lief, konnte ich nur auf 2000 bis 2100 Touren gehen – Fahrt halt nicht mehr als 41/2 kn. Bei Gelegenheit muss ich die Dieselfilter wechseln oder reinigen.

            Der Wind kam nun aus Süden manchmal stärker, manchmal schwächer: Vorsegel rauf, Vorsegel runter. Schlussendlich war ich es müde bei jedem Hauch die Segel zu setzen und ich lief unter Maschine weiter. Ganze vier Tage lang ging es so weiter und ich war fast am verzweifeln!
            Endlich setzte Wind ein aus Südsüdost, ich konnte die Segel setzen und den Motor ausmachen. Flott ging es voran und der Wind nahm an Stärke zu. Schon bald musste ich das erste Reff einziehen, dann das zweite. Jetzt wurde der Klüver geborgen und ein drittes Reff ins Gross gemacht – Windstärke sieben.

            Der Wind nahm noch mehr zu und ich machte über neun Knoten Fahrt. Der Seegang nahm zu und ich überlegte mir, ob ich das vierte Reff einziehen sollte. Trotz hohem Seegang lief das Schiffauf Halbwindkurs ohne grosse Probleme und die „Aries“ (Windfahnensteuerung) bewältigte ihre Arbeit mit Bravour. Bei diesem Seegang brauchte ich keine Angst vor den somalischen Piraten zu haben, mit ihren offenen Booten wagten sie sich nicht so weit aufs offene Meer hinaus.
            Nach zwei Tagen nahm der Wind ab, ich konnte das dritte Reff aufmachen aber die See blieb ruppig und den Klüver konnte noch nicht gesetzt werden. In dieser Zeit habe ich riesige Etmale (von Mittag zu Mittag) zurückgelegt: eins betrug 194 sm – eine Excelente Leistung. Für weiter zwei Tage blieb der Wind bei etwa fünf Bf, dann nahm er ab und drehte auf Südsüdwest. Ich brauchte nicht mehr so hoch an den Wind zu gehen und die Fahrt nahm zu.
 
            Jetzt, wo der Wind abgenommen hatte, konnte ich auch fischen. Leider fing ich aber keinen, ich verlor nur drei Plastikköder mit Angel, da zu grosse Fische angebissen hatten. Es könnte auch sein, dass ich nicht gesehen habe, dass ein Fisch an der Angel war und ein grosser frass dann den kleineren und nahm gleich alles mit. Erst kurz vor den Malediven war mir das Anglerglück gewogen, kurz nacheinander fing ich gleich zwei Goldmakrelen. Die zweite wollte ich gar nicht, da sich aber meine Angelschnur verheddert hatte und die Angel immer noch im Wasser war, hat eine zweite angebissen. Diese war grösser als die erste und ich habe sie dann eingesalzen, da ich nicht soviel Fisch auf einmal essen konnte.

           Einsalzen allein nur mit Salz ist nicht gut, da der Fisch zäh wird. Man muss das Salz immer mit der gleichen Menge Zucker mischen. Später habe ich dann eine andere Methode zur Konservierung angewendet. Ich schneide das Fischfleisch in etwa zwei cm grosse Würfel, brate sie gut an und übergiesse sie mit kochendem Sud, bestehend aus halb Essig und halb Wasser. So h&aum;lt sich der Fisch drei bis vier Tage. Tags darauf fing ich  noch einen kleinen Bonito und einen Thunfisch, alle beide in der Grösse, dass ich sie gleich aufessen konnte.
              Der Wind wurde immer schwächer und entsprechend ging auch die Geschwindigkeit zurück. Oft machte ich weniger als vier Knoten Fahrt. Jedoch wehte er aus der guten Richtung und ich konnte auf den Nine-Degree-Chanal zuhalten. Etwa in der Mitte zwischen der arabischen Halbinsel und den Malediven erwischte mich am Abend für zehn Minuten eine Sturmbö. Leider sah ich nicht früh genug, welche Stärke diese Bö hatte und ich hatte Mühe, den Klüver zu bergen. Darnach gab es einen wolkenbruchartigen Regen ohne Wind.
  
         Endlich wurde der Saharasand vom Hoboob (Sandsturm im Roten Meer) aus den Segeln gewaschen. Von da an gab es bis zu den Malediven fast jeden Abend, manch mal auch in der Nacht oder am frühen Morgen, Regenfälle oder Gewitter. Die Luftfeuchtigkeit stieg auf 85 % und das Schiff trocknete auch bei Sonnenschein nie aus.
            Welch Spektakel jeden Abend, wenn die Sonne unterging! So um 12 Uhr 30 (Weltzeit) setzte ich mich hinten aufs Schiff und wartete auf den Sonnenuntergang. War die Sonne noch eine kurze Strecke vom Horizont entfernt, fingen sich all die Wolken rund herum an, sich zu verfärben. Die niedersten wurden dunkelgrau mit einem Blaustich, die oberen wurden zuerst weiss, dann wurden sie rosa. Noch später wurde die Färbung intensiv rot, bis sie dann auch in grau überging. Dort, wo die Sonne stand, dauerte es viel länger, der Himmel wurde zuerst gelb, dann orange und verfärbte sich später in ein Rosa, das bis zu violette immer dunkler wurde. Dies war mein „Fernsehen“ jeden Abend. Anschliessend ging es dann ans Kochen.
 
            Am 21. September passierte ich dann den Nine-Degree-Chanal, der Wind drehte fast zur gleichen Zeit auf Westnordwest und ich konnte meinen Kurs auf  die Südspitze Indiens zu halten. Später musste ich dann schiften, weil ich um Galle zu erreichen, weiter in den Süden musste.
  
         Da man dort nachts nicht in den Hafen einlaufen darf, musste ich „bremsen“. Ich habe zwei Reffs ins Gross gemacht und den Klüver geborgen, so war ich sicher, dass ich bei der Dämmerung noch etwa 15 sm von Galle weg war. Am Morgen dann wieder ausreffen, Klüver setzen, schiften und auf den Einfahrtskanal zu. Kurz vor der Ansteuerungstonne wurden die Segel geborgen und für den Hafen aufgetucht.
  
         Ich meldete mich dann bei der Hafenkontrolle per Funk an und sie sagten mir, dass ich ausserhalb des Wellenbrechers warten solle, es komme einer der Hafenpolizei an Bord. Warum das? Über die Hafeneinfahrt ist ein Stahlnetz gespannt der Tamiltiger wegen. Zugleich meldete ich mich beim Agenten an, der die ganze Schreibarbeit übernimmt, Kostenpunkt für Visa, Hafenplatz für einen Monat und Gebühren für den Agenten: $ 170.-.
  
         Die ganze Prozedur dauerte an die drei Stunden und um vier konnte ich endlich zu Mittag essen, dies natürlich in einem einheimischen Restaurant – gebratener Curryreis mit Fisch und Gemüse, alles gemischt.

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