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Reparatur
des Kieles in San Lorenzo
Am Freitag vor einer Woche, als ich vom Internet zurückkam,
hatte ich eine böse Überraschung. Im Salon war Wasser mit Öl vermischt und
ich geriet in Panik. Ich öffnete nun den Boden und stellte fest, dass alle
Abteilungen voll Wasser waren. Ich fing an, das Wasser auszupumpen und stellte
schlussendlich fest, dass ein Loch in der Deckplatte des Kieles war. Dort
sprudelte das Wasser herein. Da Öl auf dem Wasser war, wusste ich, dass es nur
vom Kiel stammen konnte. Alle drei Stunden pumpte ich etwa zwanzig Liter Wasser
aus dem Schiff.
Am
Wochenende konnte ich nicht viel anderes machen, als eben pumpen. Luigi, ein
italienischer Segler brachte mir dann eine Elektropumpe, dazu fehlte aber ein
Schlauch, den ich erst am Montag besorgen konnte. Das Loch, das ich leider nicht
zu gesicht bekam, habe ich vorerst mal mit einem Kitt und einem Gewicht
abgedichtet. Wasser kam aber immer noch ein bisschen herein, aber bedeutend
weniger. Luigi kam dann mit einem Epoxyd-Spachtel der auch unter Wasser aushärtet.
Rund um das Bleigewicht wurde dieser Spachtel von Hand gemischt und dick
aufgetragen.
Immer
noch musste ich alle drei Stunden etwa zwanzig Liter Wasser abpumpen. Beim
„Yacht Club Argentino“ in San Fernando, der einzigen Möglichkeit das Schiff
aus dem Wasser zu heben, musste ich ein Gesuch stellen, das schlussendlich am
Dienstag Abend positiv beantwortet wurde. Luigi war bereit, mit mir die
dreiunddreissig Meilen in den Kanälen zurückzulegen und am Mittwoch Morgen
fuhren wir los.
Nach dem
Erledigen des Behördenkrames wurde das Schiff endlich am Donnerstag um halb
vier Uhr aus dem Wasser gehoben. Vorne am Kiel war ein Riss von etwa fünf
Centimeter Länge und zwei ein halb Millimeter Breite. Zugezogen habe ich den
schon bereits im Dezember im Kanal Smith, als wir in einer Bucht im Süden einer
kleinen Insel durchfahren mussten. Im Hafenhandbuch waren dort drei Meter Wasser
angegeben, jedoch zwei Felsen – unsichtbar im Wasser – lagen aber höher als
zwei Meter. Beide habe ich gerammt und dabei diesen Riss verursacht.
Es
dauerte zum Glück noch zwei ein halb Monate, bis das Wasser ins Schiff hinein
lief. Wäre dies vorher passiert, wäre das Schiff verloren gewesen, liegt doch
zwischen dem Verursacherort und dem Rio de la Plata keine Möglichkeit, aus dem
Wasser zu kommen, da es nirgends einen Travellift gab. Nun liege ich hier auf
dem Trockenen und es wird repariert. Ich kann aber nicht auf dem Schiff leben
und musste in der Stadt San Fernando ein Zimmer mieten. Auch kochen kann ich
nicht, muss halt kalt essen oder ins Restaurant gehen.Wann die Reparatur augeführt
sein wird, wissen die Götter!
Seit
Donnerstag ist das Schiff wieder im Wasser. Der Kiel ist repariert und ich habe
einige Schrammen, die in der langen Zeit seit Neuseeland entstanden sind, vom
Rost befreit und sie in der entsprechenden Farbe – Rot oder Weiss –
gestrichen. Auch Giftfarbe habe ich auf dem Unterwasserschiff aufgetragen. Im
Servoruder der Aries waren einige tiefe Löcher und ich weiss nicht, woher diese
stammen. Diese habe ich mit Spachtel ausgefüllt und habe es auch mit
Antifouling überzogen, dies hätte es schon lange nötig gehabt.
Die
letzte Zeit war auch damit angefüllt, dass ich von der Post zwei
Bancomat-Karten erhalten habe, die beide nicht funktioniert haben. Ich habe
reklamiert und sie haben mir wieder eine an die Schweizer Botschaft in Buenos
Aires geschickt und auch diese, die ich mit der Eisenbahn in der Hauptstadt
abgeholt habe, hat wieder nicht funktioniert. Weder am Bancomaten, noch im
Internet-Banking war sie zu gebrauchen. Es soll jetzt eine neue, die vierte
kommen und ich hoffe, dass wenigstens diese verwendbar sein wird.
Die
eigentliche Reparatur des Kieles hat garnicht so viel gekostet. Hingegen alles
drum und dran ist teuer zu stehen gekommen. Das Schiff aus dem Wasser holen,
Landliegeplatz und wieder Einwassern war rund doppelt so teuer wie die
Reparatur. Zudem konnte ich nicht auf dem Schiff übernachten (Klubregel). In
einem Gästehaus, kein Hotel, nahm ich ein Zimmer mit Bad – Kostenpunkt 50
Pesos pro Nacht. Für acht Nächte ergab dies 400 Pesos.
In
Restaurants musste ich essen, da ich nicht an Bord kochen und abwaschen konnte,
ergibt auch einen Betrag von annähernd 300 Pesos. Das Frühstück und das
Mittagessen wurde kalt an Bord verzehrt. Da es hier noch recht warm ist, habe
ich vorallem Früchte gegessen. Äpfel, Pfirsiche oder Nektarinen und Pflaumen
waren meine Lieblinge. Hier hat jetzt der Herbst angefangen und es gibt auch
andere Früchte, die aber zum Teil schlecht transportierbar sind, wie zum
Beispiel die Williamsbirnen, sind sie doch im Laden viel zu reif.
Hier
wird die „Semana Santa“ recht ausgiebig gefeiert. Von Freitag bis Montag
wird in den Fabriken und Handwerksbetrieben – auch hier im Yachtklub – nicht
gearbeitet. Nur die Geschäfte mit Lebensmitteln waren am Samstag und am Montag
geöffnet. Beide Male bin ich in die Stadt gegangen um mir Früchte, Gemüse und
Brot zu kaufen. Über diese Tage habe ich nicht sehr viel gearbeitet. Hosen habe
ich unten umgenäht, weil ich immer darauf gelaufen bin. Auch den Boden im Salon
wurde wieder festgemacht und die Streichutensilien sind verstautworden. Heute
muss ich einen neuen Konverter kaufen (12 zu 220 V), das heisst: zuerst mal das
Geschäft finden, wo es so etwas hat.
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