Meine Weltumsegelung

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 Von Puerto Consuelo bei Puerto Natales nach Puerto Williams

            Am 29. November ist Guy mit der Fähre Navimag in Puerto Natales eingetroffen und mit dem Taxi sind wir zum Schiff in Puerto Consuelo gefahren. Am nächsten Tag kam das Taxi wieder und nahm uns in die Stadt, wo ich bei der Armada das „Zarpe“ machen liess und wir die letzten Einkäufe gemacht haben. Am Tage darauf sollten wir es abholen. Herrmann Eberhardt, ein Urenkel des Entdeckers des Estero Eberhardt brachte uns hin.
            Tags darauf legten wir im Puerto Consuelo von der Mooring ab, durchfuhren den Seno, gelangten nach Puerto Natales. Wir wollten weiter bis in eine Bucht nahe beim Canal Kirke. Der Wind war aber so stark, dass wir wieder umdrehen mussten und haben schlussendlich gegenüber von Puerto Natales für die Nacht geankert. Früh am Morgen, als es noch ruhig war, brachen wir wieder auf und fuhren wir mit dem Motor bis zu der Caleta Fog. Weil die Bucht bei Südwind nicht mehr sicher ist, sind wir nach dem Mittagessen zum Canal Kirke aufgebrochen.
            Nach dem Durchfahren des grössten Teiles der Angostura Kirke erreichten wir, auch mit dem Motor, die Caleta Cascada. Da im Grosssegel zwei lange Risse waren, haben wir angefangen, einen  zu reparieren. Jedoch schafften wir nur einen der Risse. Am Morgen früh ging’s wieder los und erreichten mit dem Motor die Caleta Jaime und gingen vor Anker, dort, wo ich schon einmal geankert habe. Hier habe ich den zweiten Riss im Segel mit Hilfe von Guy auch nähen können.
            Das Segel von Bruce Banks, das ich in den Philippinen erworben habe, ist von schlechter Qualität und muss ersetzt werden, überall fängt es an, durchgescheuert zu werden. Den Tag darauf war so schlechtes Wetter, dass wir in der Bucht bleiben mussten – Windgeschwindigkeit dreissig bis vierzig Knoten genau gegen unsere Richtung.
            Immer noch blies es von Nordwest in den Seno Unión mit nur ein bisschen weniger Wind. Für eine Strecke von zwölf Meilen gegen an brauchten wir fünf Stunden. In der Bucht Puerto Fontaine suchten wir Schutz vor dem zunehmenden Wind. Gegen Mittag nahm der Wind ab und fuhren nach dem Mittagessen wieder mit dem Motor zum Canal Victoria. Nach dem Runden eines Seezeichens konnten wir endlich, endlich die Segel setzen. Am Abend erreichten wir den Puerto Mardon, wo wir die Nacht verbringen wollten.
            Dort, wo im Hafenhandbuch sieben Meter Wasser angegeben war, sind wie zweimal auf Felsen aufgelaufen, kamen aber wieder frei und ich habe beschlossen, in eine andere  Bucht zu gehen, die etwa drei ein halb Meilen weiter im Süden lag. In der Bahia Mallet, ein tiefer Fjord, gingen wir für die Nacht vor Anker. Nach dem Canal Victoria befanden wir uns im Canal Smyth, den wir auch am nächsten Tag gefolgt sind.
            Bei strömendem Regen erreichten wir am Tag darauf den Puerto Profundo, fast am Ende des Canal Smyth. Hier ging das Ankern los, hat doch der Anker auf diesem felsigen Boden nicht gehalten. Wir versuchten nun eine Landleine auszubringen und dabei stürzte Guy in das kalte Wasser (sechs Grad), zusammen mit dem klappbaren Teil der Badeleiter. Dies ist wie in der Sauna, nur fehlt vorher das Aufheizen.
            Nachher habe ich noch drei weitere Male geankert, bis er endlich gehalten hat. Wir mussten eine Ankerwache einrichten. Wir haben einen Wiliwau gehabt mit Böen bis zu fünfzig Knoten – neun Bf. Guy hat eine Statistik gemacht, wo er die Position vom GPS notiert hat, gesehen haben wir sowieso nichts, es war stockdunkel. In der Nacht hat der Wind auf Südwest gedreht und wieder mussten wir mit dem Motor gegen an, den Leuchtturm Fairwell liessen wir auf der Steuerbordseite. Auch hier hatten wir den Strom gegen uns.
            Südlich dieses Leuchtfeuers fängt die Magellanstrasse an und wir gingen im Puerto Tamar bei der gleichnamigen Insel vor Anker. Heute, den 9. Dezeber, sind wir ausgelaufen und haben den Wind aus Südsüdwest gehabt mit einem Strom von vier bis fünf Knoten gegen uns – wir sind wieder in die Bucht zurückgekehrt. Hier ist die Natur Meister und nicht der Mensch!
            Unterwegs fing es auf einmal an zu hageln. Die Eiskügelchen waren zwar nicht gross – etwa drei Millimeter im Durchmesser – aber trotzdem hat der aufprall auf die Haut Schmerzen verursacht. Kaum waren wir wieder in der Bucht vor Anker, sagte ich zu Guy „wachse deine Skier“ es hat angefangen zu schneien. Den ganzen Tag blieben wir in der Bucht mit mehr oder weniger Schwell, denn der Wind drehte auf Süd.
            Jetzt, der Tag darauf, segeln wir mit bis zu acht Knoten Fahrt nur mit dem Klüver durch die Magellanstrasse. Eben ist uns ein Frachter von Thailand oder Sri Lanka entgegen gekommen. Immer wieder überholt uns eine kleine Regenfront und es ist sehr kalt – im Schiff drin haben wir neun Grad, beim Segeln heize ich aus Sicherheitsgründen nicht. Nach 75 Meilen erreichten wir die Insel Carlos III. In der Bucht Bahía Mussel fanden wir einen Ankerplatz für die Nacht. Tags darauf segelten wir in den Kanal Barbara bis zur Isla Santa Inés um in der Bucht Puerto Nutland zu ankern. Der Anker hielt aber nicht, ist doch in der Bucht viel Tang und der Grund ist ein sehr weicher Schlick. Der Anker fährt hindurch wie durch weiche Butter. Trotz der vierzig Meter Kette sind wir in der Nacht bei aufkommenden Böen aus der Bucht getrieben worden. In der Nacht konnten wir nicht mehr in die Bucht, wir gingen in Abdeckung der Insel und liessen uns treiben, waren wir zu weit weg, motorten wir wieder zur Insel.
            Sobald es hell genug war, nahmen wir die nächste Route in Angriff. Bald begann es stark zu blasen und der Barometer fiel auf 969 hPa. Als wir in den offenen Teil des Canal Barbara kamen, nahm der Wind auf vierzig bis fünfzig Knoten zu. Ich habe die Fock geborgen, das einzige Segel, das wir gesetzt hatten. Wohl habe ich die Sturmfock vorbereitet, gesetzt habe ich sie aber nicht. Mit dem Motor ging es nun weiter und der Wind nahm immer mehr zu. Bald erreichte er zehn Bf. (50 kn). Später fielen Böen ein, die gut sechzig Knoten Wind bedeuteten.
            Schlussendlich fanden wir auf der Insel Adelaide in der Caleta Tarmac ein wenig Schutz vor dem extrem starken Wind. Die Wiliwaus in der Bucht waren aber sehr stark und es war nicht leicht, einen Ankerplatz zu finden. Schlussendlich ankerte ich zwischen viel Tang in einer engen Bucht und mit einer Landleine hielten wir das Schiff von den nahen Felsen ab. Am Morgen jedoch kam ein Nordnordostwind auf, der uns wieder auf die Felsen zu trieb und ich beschloss, die Bucht zu verlassen.
            Nun, am 13. Dezember sind wir auf dem Weg, durch den Kanal Cockburn und den Kanal Brecknock zu segeln. Die Nacht und den Tag darauf verbrachten wir in der Caleta Yahgan mit zwei Leinen an Land, Brot wurde gebacken. Der nächste Tag brachte nur schwache Winde und wir brachen den Törn ab, da wir das vorgegebene Ziel nie erreicht hätten. Heute, Sonntag der 16. war überhaupt kein Wind und wir liefen mit dem Motor bis in den Caleton Silva.
            Eine weitere Nacht verbrachten wir in der Caleta Emilita, nachdem wir in den Seno Ventisquero eingelaufen sind, um den Gletscher an seinem Ende zu besuchen. Jedoch bei einer Verengung, wo es wenig tief ist, mussten wir umdrehen, war doch über die ganze Breite des Seno eine Barriere von Eisklötzen und ich wollte kein Risiko eingehen, dort im Eis aufzulaufen. Den Gletscher haben wir nicht gesehen.
            In der Caleta Emilita waren wir aber nicht die ersten. Die Yacht Balena, mit Schweizer Flagge, lag dort schon mit zwei Landleinen und wir ankerten neben ihnen auch mit Leinen an Land. Hansruedi, ein Basler, hat uns zu einem Aperitif eingeladen. Er hat drei Mitsegler an Bord und wir haben sie öfter getroffen, haben sie doch den gleichen Törn.
            Dafür haben wir den Seno Garibaldi durchfahren bis fast zum Gletscher. Es war ein Slalomfahren zwischen den Eisklötzen, die in einer erstaunlichen Dichte vor dem Gletscher schwammen. Die Gletscher kommen bis zum Meer hinunter und dort kalben sie auch (der Ausdruck kalben bedeutet abbrechen des Eises). In ganz langsamer Fahrt schoben wir uns durch das Eis, um wenigstens etwas vom Gletscher zu sehen. Hinter einer Insel im Seno haben wir geankert und eine Landleine ausgebracht.
            Am 19. Dezember besuchten wir den Seno Pia und zwar fuhren wir in den Ostarm ein, wo hinter einer Granitinsel ein sehr grosser Gletscher bis ins Wasser reicht. Dies ist der grösste in dieser Gegend und heisst Gletscher Roncagli, ein italienischer Name, kommt er doch vom Berg Italia. Hinter einer Halbinsel noch im Seno haben wir eine ruhige Nacht verbracht. Der folgende Tag brachte uns am Gletscher Italia vorbei, der vom gleichnamigen Berg herunter kommt. Unterwegs habe ich ein Brot gebacken. 
            Wir sind jetzt in der Caleta Olla. Noch am selben Abend gingen wir an Land. Guy wollte den glenscher Holanda sehen und ich habe mich mit Pflanzen beschäftigt. Dabei habe ich eine kleine und zarte Orchidee gefunden, die drei weisse Blütenblätter hat. Am Tag darauf wollten wir zum Gletscher Holanda gehen. Der Wind war aber so stark, dass ich wieder zurückgefahren bin und wir wurden dabei richtig nass, die Wellen stiegen ins Beiboot ein. Auch die Balena kam in die Bucht und die Yacht Azzar, die Claude gehört, einem Francokanadier. Eigentlich wollte Guy am Tag darauf mit den Leuten der Balena zum Gletscher.
            Am Morgen des 22. Dezembers stand Guy im Schiff herum, wie bestellt und nicht abgeholt. Als er zum Niedergang kam, fragte ich ihn, ob er mir meine nassen Hosen vom Vortag reichen könne. Er brummte in einem hässlichen Ton, dass ich mich um Hosen kümmere, statt endlich abzulegen. Es gab dann über das Thema Ausflug zum Gletscher eine Diskussion und ich beschloss, gleich nach Puerto Williams zu segeln. Schon einmal hat er eine spitze Bemerkung gemacht, weil ich am Morgen am Computer gearbeitet habe, man könne dies ja auch am Abend machen.
            In Puerto Williams angekommen, legten wir an einer amerikanischen Yacht an und am Tag darauf machte ich den Behördenkram. Am Morgen beim Frühstück sagte ich Guy, dass ich nicht zum Kap Horn gehen würde, ich lasse mich nicht mehr stressen. Guy konnte sich überhaupt nicht selber beschäftigen, mussten wir mal einen Tag irgendwo bleiben oder ich hatte etwas zu reparieren oder Ölwechsel zu machen, langweilte er sich, nur segeln wollte er. Heute Morgen, den 24. Dezember ist er abgereist und ich bin die leidigen Diskussionen los!

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