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Von
Puerto Edén nach Puerto Consuelo bei Puerto Natales
Wie es mir ergangen ist, von der Caleta Ideal an habe ich noch nicht erzählt.
Dort blieb ich wegen schlechtem Wetter zwei Tage. Weiter ging es durch den
Kanal. Messier, wo auch die Fähren und die Frachter fahren. Schiffe habe ich
aber keine gesehen, ausser am gleichen Ankerplatz die neuseeländische Yacht.
Eine lange Strecke war zurückzulegen, bis ich wieder einen Ankerplatz fand, der
auch für mich, Singelhänder geeignet war. In der Caleta Morgane fand ich
endlich einen.
Eigentlich wollte ich noch eine Nacht in einer anderen Bucht verbringen,
der Wind war aber so gut, dass ich gleich bis Puerto Edén durchgesegelt bin.
Bevor man aber dorthin gelangt, geht es durch die Angostura Inglesa, was soviel
heisst wie Engpass. Hier muss man genau nach den Seezeichen fahren, weil links
und rechts viele Riffe und Untiefen sind. Aber auch die Fähre fährt dort
hindurch, da es keinen anderen Weg gibt.
Da schöner Wind war, bin ich schon am frühen Nachmittag in Puerto Edén
eingetroffen, die Vision aber ist weiter gesegelt. Zuerst besuchte ich die
Armade de Chile, die dies wünscht und dann ging’s in den eigentlichen Hafen,
wo man wie hier üblich ankern muss. Nördlich vom Golf de Penas habe ich viel
Diesel verbrannt und musste hier unbedingt welchen auftreiben. Ich wasserte das
Beiboot und fuhr an Land. Das Geschäft, was im Führer erwähnt ist, existiert
aber nicht mehr.
Ein Mann, der ein Restaurant und „Hotel“ betreibt, sagte mir, dass
ich am Tage darauf zu ihm kommen solle. Dieser Mann macht aber auch alles, er
betreibt auch die Post und kümmert sich auch um andere Dinge in Edén. Mit mir
kam er zu Tamesis, der eine Mechanikerwerkstatt hat und die Reservegeneratoren
betreut. Tamesis konnte mir hundert Liter Diesel verkaufen. Einer, der einen
kleinen Laden führt, bot mir auch Diesel an aber zu einem Preis, den ich nicht
bezahlen wollte. Wir einigten uns schlussendlich auf den Preis von Tamesis.
Alle Wege – Strassen gibt es keine – in Puerto Edén sind aus Holz
gebaut, zum Teil auf Pfeilern. Bei einem Spaziergang durch den Ort traf ich eine
Frau und wir begannen zusammen zu sprechen. Luisa bäckt Brot, das das Beste am
Ort sein soll und ich bestellte bei ihr eines. Als ich die andere Seite des
Hafens besichtigte, wurde ich von einem Mann angesprochen. Er, Miguel, ist der
Mann von Luisa und ist im Hafen bei der Erneuerung der Anlegestege als Ingenieur
beschäftigt. Er hat ein Jahr in Mailand studiert und wir sprachen zusammen
italienisch.
Für den Sonntagabend habe ich bei Luisa eine Paila Marina bestellt, Wein
brachte ich selber mit, den wir – Luisa und Miguel zusammen getrunken haben.
Die Paila, eine Art Muschelsuppe hat sehr gut geschmeckt und Miguel lud mich zum
Mittagessen des nächsten Tages ein. Es gab Congrio und Salate. Congrio hat
nichts mit dem „Congre“ oder Seeaal zu tun, ist aber auch ein Fisch, der auf
dem Grund lebt. Er hat festes Fleisch und schmeckt sehr gut.
Für den Dienstagabend lud ich sie zu mir an Bord ein und sie fragten
mich, wie viele Personen wir sein werden. Ich sagte: sechs. Am Abend kamen sie
und sie waren schon sechs, die Tochter hat noch ihre Freundin mitgebracht. Mit
den Resten und Konserven machte ich einen Salat und es gab Spaghetti mit
Tomatensauce. Alle wurden satt, auch wenn eine Person mehr am Tische sass –
zwar ein bisschen eng.
Zu kaufen gab es hier im Laden nicht sehr viel, weil die Fähre erst
am Mittwoch kommt, die Gemüse und Früchte von Puerto Montt mitbringt.
Wenigstens habe ich Äpfel bekommen und muss halt mit meinen Konserven vorlieb
nehmen. Zwiebeln bekam ich nur drei, Zitronen war nur eine geschrumpelte da, die
ich nicht gekauft habe, meine von Puerto Montt sahen noch besser aus!
Am Mittwoch Morgen habe ich Puerto Edén verlassen und segelte mit gutem
Wind zur Insel Saumarez, wo ich eine Nacht verbrachte. Von hier an durchsegelte
ich den Kanal Wide bis zum Canal Andrés, wo ich eine Nacht im Fondeadero Brumas
Patagonia verbrachte – ein drei Meilen langer Fjord. In meinem Leben habe ich
noch nie so viele Wasserfälle auf einem Haufen gesehen wie hier. Tausende, ja
Millionen von Litern Wasser strömen ungenutzt ins Meer.
Nach Edén sah ich auf
einmal komisch gebaute Fischerboote. Erst als ich nahe an einem dieser Schiffe
vorbei fuhr, habe ich gemerkt, dass es kleine Eisberge waren, die vom Gletscher
Pio XI stammten. An die zehn von diesen Dingern habe ich gesehen, ein Bild habe
ich auch gemacht, habe es zwar noch nicht gesehen, hoffe aber, dass es gut
geworden ist.
Weiter ging es nun in den Canal Pitt, wo ich im Estero Pleinsong geankert
habe. Hier bin ich mit etwa vierzig Knoten Wind (Bf. 8) eingetroffen und musste
bei strömendem Regen viermal ankern, da der Anker nicht gehalten hat. Da die
Windtendenz zunehmend war, bin ich den nächsten Tag in dieser Bucht geblieben.
Anschliessend kam ich in den Kanal Sarmiento. Da sah ich hinter mir ein
Schiff auftauchen, es war die Yacht Comittment aus Australien, die nach Punta
Arenas unterwegs ist. Ich legte mich in eine Bucht auf der Westseite des Kanals
vor Anker und sie auf der Ostseite. Am Tag darauf, ich verliess die Bucht sehr
früh, kam sie wieder hinter mir her und wir haben uns per VHF-Funk unterhalten.
Kaum waren wir fertig, hat sich Claude von der Azzar gemeldet, den ich schon
bereits in Valdivia getroffen hatte.
Weiter ging’s durch den Estrecho Collingwood in den Seno Union, wo ich
in der Bucht der Isla Jaime die Nacht verbracht habe. Jetzt kam wieder eine
schwierige Stelle, da man die Angostura Kirke erst drei Stunden nach Hochwasser
durchfahren konnte, da hier eine Strömung durch die Inseln am Ende von bis zu
vierzehn Knoten gegen aussen herrscht. Nach zwei Stunden Wartezeit in einer
bucht im Kanal konnte ich mit einem Strom von zwei Knoten mit mir diese Enge
passieren und kam gleich in starken Südwind, der mit der Fock allein mich nach
Puerto Natales brachte.
Um acht Uhr abends bin ich in die Bucht westlich von Puerto Natales vor
Anker gegangen. Hier war eine Yacht vor Anker mit Schweizer Flagge, kein Mensch
war aber an Bord. Am 23. November bin ich nach acht Uhr Balena gefahren und habe
die Leute vom Frühstückstisch weggeholt und habe mit dem Skipper Hansruedi aus
Basel gesprochen. Ich fuhr auf die andere Seite und habe in der Nähe der Armada
geankert und bin ins Büro gegangen um den Papierkrieg zu erledigen.

Mein Ziel war aber der Puerto Consuelo im Estero Eberhardt. Trickreich
war die Suche nach diesem Puerto, liegt er doch in diesem Estrecho voller
Untiefen. Zum Teil hatte ich nur zehn Zentimeter Wasser unter dem Kiel
nicht zu vergessen ist der Nervenkitzel, der dabei das Herz schneller
schlagen lässt. An einer stelle habe ich drei Mal geankert und der Anker hat
nicht gehalten, weil er total mit feinem Seegras überzogen war. Ich habe
nachher die Karte angeschaut und gesehen, dass ich noch weiter hineinfahren
konnte.
Bei einem grossen Haus am Ende habe ich mit Hilfe des Besitzers an seiner
Mooring angelegt, ankern ist mit meinem Anker nicht möglich. Mit dem schon in
Puerto Natales eingewasserten Beibootes bin ich an Land gefahren und wurde dort
dem Bruder des Mannes, der mir geholfen hat, vorgestellt. Er hat mich zu sich
nach hause eingeladen zu einer Tasse Kaffee. In der Nacht kam ein starker Wind
auf, der mit sicher fünfzig Knoten geblasen hat, war ich froh, war ich an der
starken Mooring!
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