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| | Die
letzten Tage in Valdivia und der Weg nach Puerto Montt, 2007
Den 1. August, der Nationalfeiertag der Schweiz, habe ich glatt
vergessen. Es ist aber nicht das erste mal, dass mir dies passiert. Für mich
ist die Schweiz so weit weg und ich verstehe nicht, dass sich Leute wegen einem
Nationalfeiertag so ereifern können wie mein Nachbar, der das Schiff über die
Toppen beflaggt hat. Nun, Schwamm drüber, jeder nach seiner Fasson!
Im Moment bin ich nach vier Jahren das erste mal krank. Ich habe einen fürchterlichen
Husten, der mir jedes mal Kopfschmerzen verursacht. Es ist jetzt schon fast eine
Woche, dass es angefangen hat und ich habe das Gefühl, dass nichts nützt. Auch
leichtes Fieber habe ich und bringe es nicht weg. Aber ich sollte vielleicht dem
Arzt vertrauen, der mir vor Jahren gesagt hat, „Eine Erkältung dauert mit
Medikamenten zwei Wochen und ohne vierzehn Tage“.
Gestern habe ich mir einen neuen Computer gekauft, da der alte zuwenig
RAM – nur 192 – gehabt hat und ich schon bei kleinen Arbeiten mit grossem
Speichervolumen wie das Erstellen einer Diashow oder einem kurzen Video an die
grenzen gestossen in. Da ich jetzt mit einer hochauflösenden Videokamera
arbeite, muss ich mehr RAM haben. Das hat nun der neue – ein
Giga RAM und 120 Giga Harddrive. Dazu habe ich ja noch meinen externen, der auch
120 Giga hat. Den brauche ich vorallem um Daten zu sichern und daten von deinem
zum andern Computer zu verschieben.
Die ganze Organisation ist anders, es wird nicht mehr inizialisiert mit
einer CD, dies ist schon bereits im Harddrive gespeichert. Sehr viele Programme
sind anders und ich habe das Gefühl, dass sie komplizierter geworden sind, da
viele Dinge geändert werden können. Der Start ist länger geworden und ich
habe noch keine Übersicht, wie ich zu meinen Daten komme. Mit der Zeit wird es
wohl besser werden. Der alte Computer soll weiterhin für die elektronischen
Seekarten herhalten, da ich diese nicht sehr gut auf den neuen überführen
kann. Auch mein Frontpage-Programm kann ich nicht mehr intallieren, der Code sei
falsch – auf dem alten ist er gegangen!
Letzten Samstag war ich bei den „Küstenwarten“ – eine Organisation
innerhalb des Yachtklubs – eingeladen, wegen meiner Erkältung mit dicken
Kopfschmerzen habe ich mich abgemeldet. Medikamente nehmen und dazu noch Alkohol
trinken ist nicht gerade das ideale. Es sollten eine spezielle Sorte Fische
serviert werden, die sowohl im Süsswasser wie im Meerwasser leben können. Es hätte
mich eigentlich schon interessiert, hätte sie aber trotzdem nicht geniessen können,
da ich durch die Erkältung keinen Geschmackssinn hatte.
Ein Videofilm habe ich auf dem alten Computer mit Ach und Krach
fertiggestellt. Es gibt jetzt zwei Versionen davon: die eine mit einer
argentinischen Musik und eine etwas längere – etwa eine Minute – mit
chilenischer Musik, die ich vorallem für hier gemacht habe, haben doch die
Chilenen als erste gesagt: „es ist aber nicht unsere Musik“. Sie sind
sowieso zusammen wie Katz und Hund, keiner gönnt dem anderen etwas. Der Film
heisst Valdivia und Umgebung. Er besteht aus Sequenzen vom Yachtklub, von der
Stadt Valdivia, den Märkten, der Festun Niebla, Villarrica und das Jubiläum
des Club de Yates.
Einen zweiten habe ich in Arbeit, habe bis jetzt aber zuwenig
Filmmaterial – er handelt von den einmaligen Holzkirchen der Insel Chiloé.
Auf dem alten Computer habe ich eine CD mit dem Video gemacht und sie ist
bummsvoll! Ich konnte ja auch keine DVD brennen. Dieser Film hat eine Länge von
12 Minuten und 38 Sekunden.
Am letzten Sonntag hat der Club de Yates den Unabhängigkeitstag von
Chile gefeiert. Am Mittag gab es ein Apéritiv und anschliessend ein Menü, wie
hier üblich, mit Asado. Am Tag vorher war ich bei der Armada de Chile und habe
meinen Weggang von Valdivia angekündigt. Um drei Uhr ging ich an Bord und habe
das Schiff zur Abfahrt vorbereitet, alles das, was ich nicht vorher machen
konnte.
Fast alle Klubmitglieder, die an der Feier dabei waren, sind auf den Steg
heraus gekommen, um mich zu Verabschieden. Zwei gute Flaschen Wein haben sie mir
noch überreicht und, ich hatte schon alles aufgeräumt, haben sie mich zurückgerufen.
Der Klubpräsident hat mir noch einen Klubstander überreicht. Nun ging es los!
Zuerst musste ich den Fluss hinunter fahren, dann durch die Bahia de
Corall, um ins offene Meer hinaus zu kommen. Entgegen des Wetterberichtes war es
fast Windstill, blies es doch maximal mit drei bis fünf Knoten. Also, weiter
mit dem Motor, konnte ich doch nicht für eine so lange Strecke einfach liegen
bleiben. Die ganze Nacht war motoren angesagt. Zwischen hinein ging ich mal für
eine Stunde ins Bett, insgesamt dreimal.
Leider kann ich den Windpilot beim Motoren nicht brauchen, ich muss alles
von hand steuern. Am Montag blieb die Wettersituation vorerst mal gleich und
endlich, endlich gegen Mittag brieste es ein bisschen auf und ich konnte zum
Gross den Klüver setzen. Vorerst mal mit drei Knoten
fahrt; sie nahm aber später bis auf fünf ein halb zu. Schon am Sonntag habe
ich einmal die Segel gesetzt, musste aber den Klüver wegen Windmangel wieder
bergen, kam er doch die ganze Zeit back.
Genau die drei Stunden der Schlafpausen der letzten Nacht haben mir dann
gefehlt. Um in die Bucht Godoi hinein zu fahren, musste ich durch ein
Riffgebiet, und dies in der Nacht! Zudem sind die Seekarten ungenau, sie können
bis zu einer Meile Abweichung haben. Nun, ich bin gegen elf Uhr in der bucht
angekommen und habe auf neun Meter geankert.
Hier muss man sich zwei Mal am Tag bei der Armada melden. Nur haben sie
mir in Valdivia eine falsche Frequenz angegeben. Von der Bucht aus habe ich den
Leuchtturm Corona angerufen, um die Zeit zu erfahren, wann ich durch den Kanal
Chacao fahren kann, der eine sehr starke Gezeitenströmung hat. Am Dienstag wäre
es zu spät gewesen, diesen Kanal zu befahren und ich habe einen Ruhetag
eingelegt.
Am Morgen des nächsten Tages habe ich den Ankerplatz um sechs Uhr
verlassen, um die Strecke von 11 Meilen bis zum Kanal zurzeit zurückzulegen.
Dazu brauchte ich zwei ein halb Stunden, da ich einen Gegenstrom von zwei Knoten
hatte. Endlich im Kanal, die Zeit war richtig, hatte ich trotzdem einen
Gegenstrom von zwei Knoten! Dazu kam noch, dass ich keinen Wind hatte und wieder
die ganze Strecke mit dem eisernen Gustaf zurücklegen musste.
Gleich nach dem Ende des Kanals, hier hätte ich für etwa eine Stunde
Wind gehabt, fuhr ich in den Canal Abato hinein und habe in der Bucht bei Punto
Abato hinter Fischern auf vierzehn Metern bei Hochwasser geankert. In der Nacht
auch keinen Wind aber es hat geregnet.
Am Donnerstag waren noch 34 Meilen zu bewältigen bis nach Puerto Montt.
Kaum war ich aus de Abdeckung heraus, bekam ich einen Südwestwind und ich
setzte nur den Klüver. Die Fahrt betrug zwischen vier ein halb und sechs
Knoten, endlich ohne Motor! Zuerst war der Kurs fast gegen Osten, später dann
gegen Nordost. Nach dem Mittag drehte der Wind auf westen und ich hätte das
Gross setzen können. Da ich aber auch nur mit dem Vorsegel so schön fahrt
gemacht habe, wollte ich mir nicht noch zusätzliche Arbeit aufhalsen, muss ich
doch alles wieder bergen. Alleine ist dies eine Heidenarbeit.
Ungefähr ein ein halb Meilen vor der Einfahrt in den Kanal von Puerto
Montt barg ich den Klüver und unter Motor fuhr ich in den Kanal, der sehr gut
betonnt ist. Eigentlich wollte ich in die Oxxian Marina, bin aber schlussendlich
in der Reloncavi Marina gelandet, weil mir ein einheimischer diese als Oxxian
angegeben hat. Es kann sein, dass ich noch die Marina wechsle. So, das wären
wieder einmal meine Erlebnisse.

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