Meine Weltumsegelung

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Copyright © André Blanc, Januar 2008



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 Die letzten Tage in Valdivia und der Weg nach Puerto Montt, 2007 

           
Den 1. August, der Nationalfeiertag der Schweiz, habe ich glatt vergessen. Es ist aber nicht das erste mal, dass mir dies passiert. Für mich ist die Schweiz so weit weg und ich verstehe nicht, dass sich Leute wegen einem Nationalfeiertag so ereifern können wie mein Nachbar, der das Schiff über die Toppen beflaggt hat. Nun, Schwamm drüber, jeder nach seiner Fasson!
            Im Moment bin ich nach vier Jahren das erste mal krank. Ich habe einen fürchterlichen Husten, der mir jedes mal Kopfschmerzen verursacht. Es ist jetzt schon fast eine Woche, dass es angefangen hat und ich habe das Gefühl, dass nichts nützt. Auch leichtes Fieber habe ich und bringe es nicht weg. Aber ich sollte vielleicht dem Arzt vertrauen, der mir vor Jahren gesagt hat, „Eine Erkältung dauert mit Medikamenten zwei Wochen und ohne vierzehn Tage“.
            Gestern habe ich mir einen neuen Computer gekauft, da der alte zuwenig RAM – nur 192 – gehabt hat und ich schon bei kleinen Arbeiten mit grossem Speichervolumen wie das Erstellen einer Diashow oder einem kurzen Video an die grenzen gestossen in. Da ich jetzt mit einer hochauflösenden Videokamera arbeite, muss ich mehr RAM haben. Das hat nun der neue – ein Giga RAM und 120 Giga Harddrive. Dazu habe ich ja noch meinen externen, der auch 120 Giga hat. Den brauche ich vorallem um Daten zu sichern und daten von deinem zum andern Computer zu verschieben.
            Die ganze Organisation ist anders, es wird nicht mehr inizialisiert mit einer CD, dies ist schon bereits im Harddrive gespeichert. Sehr viele Programme sind anders und ich habe das Gefühl, dass sie komplizierter geworden sind, da viele Dinge geändert werden können. Der Start ist länger geworden und ich habe noch keine Übersicht, wie ich zu meinen Daten komme. Mit der Zeit wird es wohl besser werden. Der alte Computer soll weiterhin für die elektronischen Seekarten herhalten, da ich diese nicht sehr gut auf den neuen überführen kann. Auch mein Frontpage-Programm kann ich nicht mehr intallieren, der Code sei falsch – auf dem alten ist er gegangen!
            Letzten Samstag war ich bei den „Küstenwarten“ – eine Organisation innerhalb des Yachtklubs – eingeladen, wegen meiner Erkältung mit dicken Kopfschmerzen habe ich mich abgemeldet. Medikamente nehmen und dazu noch Alkohol trinken ist nicht gerade das ideale. Es sollten eine spezielle Sorte Fische serviert werden, die sowohl im Süsswasser wie im Meerwasser leben können. Es hätte mich eigentlich schon interessiert, hätte sie aber trotzdem nicht geniessen können, da ich durch die Erkältung keinen Geschmackssinn hatte.
            Ein Videofilm habe ich auf dem alten Computer mit Ach und Krach fertiggestellt. Es gibt jetzt zwei Versionen davon: die eine mit einer argentinischen Musik und eine etwas längere – etwa eine Minute – mit chilenischer Musik, die ich vorallem für hier gemacht habe, haben doch die Chilenen als erste gesagt: „es ist aber nicht unsere Musik“. Sie sind sowieso zusammen wie Katz und Hund, keiner gönnt dem anderen etwas. Der Film heisst Valdivia und Umgebung. Er besteht aus Sequenzen vom Yachtklub, von der Stadt Valdivia, den Märkten, der Festun Niebla, Villarrica und das Jubiläum des Club de Yates.
            Einen zweiten habe ich in Arbeit, habe bis jetzt aber zuwenig Filmmaterial – er handelt von den einmaligen Holzkirchen der Insel Chiloé. Auf dem alten Computer habe ich eine CD mit dem Video gemacht und sie ist bummsvoll! Ich konnte ja auch keine DVD brennen. Dieser Film hat eine Länge von 12 Minuten und 38 Sekunden.
            Am letzten Sonntag hat der Club de Yates den Unabhängigkeitstag von Chile gefeiert. Am Mittag gab es ein Apéritiv und anschliessend ein Menü, wie hier üblich, mit Asado. Am Tag vorher war ich bei der Armada de Chile und habe meinen Weggang von Valdivia angekündigt. Um drei Uhr ging ich an Bord und habe das Schiff zur Abfahrt vorbereitet, alles das, was ich nicht vorher machen konnte.
            Fast alle Klubmitglieder, die an der Feier dabei waren, sind auf den Steg heraus gekommen, um mich zu Verabschieden. Zwei gute Flaschen Wein haben sie mir noch überreicht und, ich hatte schon alles aufgeräumt, haben sie mich zurückgerufen. Der Klubpräsident hat mir noch einen Klubstander überreicht. Nun ging es los!
            Zuerst musste ich den Fluss hinunter fahren, dann durch die Bahia de Corall, um ins offene Meer hinaus zu kommen. Entgegen des Wetterberichtes war es fast Windstill, blies es doch maximal mit drei bis fünf Knoten. Also, weiter mit dem Motor, konnte ich doch nicht für eine so lange Strecke einfach liegen bleiben. Die ganze Nacht war motoren angesagt. Zwischen hinein ging ich mal für eine Stunde ins Bett, insgesamt dreimal.
            Leider kann ich den Windpilot beim Motoren nicht brauchen, ich muss alles von hand steuern. Am Montag blieb die Wettersituation vorerst mal gleich und endlich, endlich gegen Mittag brieste es ein bisschen auf und ich konnte zum Gross den Klüver setzen. Vorerst mal mit drei Knoten fahrt; sie nahm aber später bis auf fünf ein halb zu. Schon am Sonntag habe ich einmal die Segel gesetzt, musste aber den Klüver wegen Windmangel wieder bergen, kam er doch die ganze Zeit back.
            Genau die drei Stunden der Schlafpausen der letzten Nacht haben mir dann gefehlt. Um in die Bucht Godoi hinein zu fahren, musste ich durch ein Riffgebiet, und dies in der Nacht! Zudem sind die Seekarten ungenau, sie können bis zu einer Meile Abweichung haben. Nun, ich bin gegen elf Uhr in der bucht angekommen und habe auf neun Meter geankert.
            Hier muss man sich zwei Mal am Tag bei der Armada melden. Nur haben sie mir in Valdivia eine falsche Frequenz angegeben. Von der Bucht aus habe ich den Leuchtturm Corona angerufen, um die Zeit zu erfahren, wann ich durch den Kanal Chacao fahren kann, der eine sehr starke Gezeitenströmung hat. Am Dienstag wäre es zu spät gewesen, diesen Kanal zu befahren und ich habe einen Ruhetag eingelegt.
            Am Morgen des nächsten Tages habe ich den Ankerplatz um sechs Uhr verlassen, um die Strecke von 11 Meilen bis zum Kanal zurzeit zurückzulegen. Dazu brauchte ich zwei ein halb Stunden, da ich einen Gegenstrom von zwei Knoten hatte. Endlich im Kanal, die Zeit war richtig, hatte ich trotzdem einen Gegenstrom von zwei Knoten! Dazu kam noch, dass ich keinen Wind hatte und wieder die ganze Strecke mit dem eisernen Gustaf zurücklegen musste.
            Gleich nach dem Ende des Kanals, hier hätte ich für etwa eine Stunde Wind gehabt, fuhr ich in den Canal Abato hinein und habe in der Bucht bei Punto Abato hinter Fischern auf vierzehn Metern bei Hochwasser geankert. In der Nacht auch keinen Wind aber es hat geregnet.
           
Am Donnerstag waren noch 34 Meilen zu bewältigen bis nach Puerto Montt. Kaum war ich aus de Abdeckung heraus, bekam ich einen Südwestwind und ich setzte nur den Klüver. Die Fahrt betrug zwischen vier ein halb und sechs Knoten, endlich ohne Motor! Zuerst war der Kurs fast gegen Osten, später dann gegen Nordost. Nach dem Mittag drehte der Wind auf westen und ich hätte das Gross setzen können. Da ich aber auch nur mit dem Vorsegel so schön fahrt gemacht habe, wollte ich mir nicht noch zusätzliche Arbeit aufhalsen, muss ich doch alles wieder bergen. Alleine ist dies eine Heidenarbeit.
            Ungefähr ein ein halb Meilen vor der Einfahrt in den Kanal von Puerto Montt barg ich den Klüver und unter Motor fuhr ich in den Kanal, der sehr gut betonnt ist. Eigentlich wollte ich in die Oxxian Marina, bin aber schlussendlich in der Reloncavi Marina gelandet, weil mir ein einheimischer diese als Oxxian angegeben hat. Es kann sein, dass ich noch die Marina wechsle. So, das wären wieder einmal meine Erlebnisse.


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