Meine Weltumsegelung

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Copyright © André Blanc, Januar 2008



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 Reise über die Grenze von Argentinien nach Bariloche und die folgenden Tage in Valdivia 

            Jetzt bin ich drei Monate in Chile und ich musste mein Visum erneuern. Wenn ich es hier in Valdivia mache, kostet mich dies einhundert US$. Für das gleiche Geld kann ich mit dem Bus einen Ausflug nach Argentinien machen, die dortige Gegend anschauen, und zurückkommen. Und siehe da! i ch habe ein neues Visum für weitere neunzig Tage.
            Am 12 Juni bin ich von Valdivia mit dem Bus abgereist. Zuerst ging es in den Süden nach Osorno. Die Strasse führt nun gegen Osten in die „Cordillera del Sur“, über den Pass Puyehue nach San Carlo de Bariloche (ausgesprochen Barilotsche), das am See Nahuel Huapi liegt. Die Höhe über Meer liegt etwa bei 700 Metern. Ich hätte dies ja auch mit weniger Kosten an einem Tag machen können, wenn ich im ersten Ort nach dem Zoll ausgestiegen wäre und zwei Stunden später wieder in den nächsten Bus, der zurück fährt.
            Auf der Passhöhe und vorallem noch auf der Westseite des Passes lag viel Schnee, schneit es hier doch von Westen oder Nordwesten. Sicher hatte es hier einen halben Meter Schnee. Etwas unterhalb der argentinischen Zollstelle befindet sich ein Ort, der vom Wintersport und im Sommer vom Bergsteigen lebt und ist voller Hotels und Restaurants. Auch da hatte es etwa noch dreissig cm Schnee gehabt.
               Bariloche ist auch ein Ferienort, sei es im Sommer, sei es im Winter. Naürlich ist im Winter bedeutend weniger los. Eigentlich wollte ich zwei volle Tage dort bleiben, um nach „Catedral“ zu fahren. Von dort aus könnte man mit einer Kabinenbahn und einem Sessellift auf den Berg „Punta Neves“ gelangen, der auf 1900 Metern liegt. Da aber die Nebeldecke soweit nach unten hing, dass man die Berge rundherum nicht sehen konnte, habe ich meinen Ausflug um einen Tag abgekürzt.
            Ungefähr 22 km von Bariloche weg liegt eine sogenannte „Colonia Suiza“. Leider habe ich dies erst zuhause entdeckt, sonst hätte ich diese besuchen können, um zu sehen, ob dort noch Schweizer leben. Auf jeden Fall hat es dort Restaurants, ein Museum, Kurhäuser und Zeltplätze.
            Erstaunlich ist, dass auf dem Hauptplatz von Bariloche zwei Männer und eine Frau mit ihren Bernhardinerhunden herumstehen und mit Hund  und Turist Fotos machen wollen. Die Hunde haben sogar ein kleines Fässchen am Halsband mit einem Schweizerkreuz darauf, Marc oder Cognac ist natürlich nicht drin.
            In einem Käsegeschäft wurde Emmentaler und Greyerzer verkauft, der Greyerzer mit Löchern wie im Emmentaler! Leider wissen die Käufer nicht, dass der Greyerzer nur wenige und dazu noch ganz kleine Löcher hat, die nicht grösser sein dürfen, als ein gläserner Stecknadelkopf. Im Restaurant „Alpe“ gab es zür zwei Personen auch Fondue zum Preis von SFr. 16.50 für zwei Personen, also noch vier Franken billiger als in der Schweiz für eine Person!
            Eigentlich war ich nur einen ganzen Tag im Ort, da ich am ersten um halb vier angekommen bin um am dritten Tag wieder um neun in den Bus stieg. Der Ort ist eigentlich sehr schön mit vielen Holzhäusern, was es hier ja genügend gibt. Das Museum von Bariloche war auch sehr instruktiv, was die Urbevölkerung angeht, nicht so wie in Australien, wo dies alles fast tot geschwiegen wird.
            Nun, ich bin wieder zurück und im September muss ich diese Reise noch einmal machen und hoffe, dass dann der Nebel nicht so weit herunterhängt. Ich möchte doch noch gerne mal über die südlichen Anden schauen können, wo es soviele Vulkane gibt. Bedingt durch den Nebel auf der Rückreise sind meine Fotos ein bisschen düster geworden aber geben doch einen Überblick, wieviel Schnee auf ihnen gelastet hat.
            Schon wieder ist es einen Monat her, dass ich geschrieben habe. Die letzten vierzehn Tage waren recht arbeitsintensiv, habe ich doch auf dem Computer eine deutsche und eine spanische Diashow gemacht. Am neunten Juli war ich in der Universität, Fakultät der Marineingenieure, um einen Diavortrag über meine Erlebnisse auf meiner Weltumsegelung zu halten. Anwesend waren die Mitglieder des Segelklubs der Universität.
            Hier ist jetzt wirklich der Winter eingetroffen und ich muss jeden Tag meinen Dieselofen anmachen. Zwei Tage war es jetzt wirklich „Saukalt“ die Aussentemperatur sank auf fünf Grad unter null! Die Rahmen der Luken waren innen mit Eis überzogen und mein gesammeltes Regenwasser hatte eine etwa sieben Millimeter dicke Eisschicht. Meine Heizung funktioniert recht gut. Steht der Wind aber von Bakbord aufs Schiff, gibt es im Ofenrohr eine Staulage und der Rauch entweicht ins Schiff hinein – nicht gerade angenehm!
           
Vergessen habe ich zu Berichten, dass die Fischer ihren Heiligen – San Pedro oder Petrus – mit einem Fest geehrt haben. Auf den mit Ballonen, vielfarbigen Lamettaflaggen und viel Effeu und anderem Grün verzierten Schiffen in die Stadtmitte gefahren sind, beladen mit ihren Angehörigen,Grosseltern, Eltern, Kinder und Onkeln. Sie gingen zuerst in die Kirche und anschliessend wurde auf den Schiffen eine Mahlzeit zubereitet.
            Am Abend hat es bei mir an Deck geklopft. Draussen stand Willi Weiss, ein älteres Klubmitglied und er brachte mir geräucherten Sierra, ein Fisch der Makrelengruppe. Da ich sowieso gerade mein Abendessen kochen wollte, habe ich halt meinen Menueplan umgestellt und es gab diesen Fisch mit Brot und Salat
, gut hat es geschmeckt!
            Vom Teil des Schiffes im Wasser, der nicht mit Isolation versehen ist, steigt immer Kälte auf. Besonders unangenehm wirkte sich dies auf mein Bett aus, da ich in der Nacht immer ein Gefühl von Kälte im Rücken hatte. Ein Student, belgischer Abstammung, der hier in Valdivia Landwirtschaft studiert, habe ich gefragt, ob sein Vater nicht Schaffelle hätte. Er sagte mir aber, dass der Vater keine hätte, sie jedoch in Osorno kaufen könne. Eines Abeds brachte er mir ein riesiges Paket, darin fand ich zwei gegerbte Felle mit einem etwa zwei cm dicken Wollflor darauf.
            Ich war aber nicht im Stande, ihn davon zu überzeugen, dass ich sie nocht geschenkt haben wolle. Nun, ich habe dies halt anders gelöst, hier feiert der Club de Yates sein 95. Jubiläum mit einem Galadiner. Dafür habe ich zwei Teilnahmescheine gekauft, die Adresse verlangt und habe sie an seinen Vater geschickt. Dieses Fest wird am 14. Juli gefeiert und ich bin auch eingeladen.
            Verschiedene meiner Freunde haben mir geschrieben, dass es mir wohl in Chile gut gefalle. Klar, gefällt es mir gut, jedoch ist der Grund ein anderer, dass ich so lange hier bleibe. Es ist Winter und man kann im Winter nicht gut durch die Kanäle nach Feuerland segeln, da es weiter im Süden recht kalt sein kann. Auch das Wetter ist nicht unbedingt dafür geeignet, in dieser Zeit Südamerila zu runden. Wenn ich denke, dass schon bereits hier, wenn es kalt ist, das Deck mit einer Eisschicht überzogen ist, wie es dann im Süden sein wird.
            Valdivia liegt auf dem vierzigsten Breitengrad Süd, das würde auf der Nordhalbkugel in Europa der Breite von Puerto Poliensa (Mallorca) oder von Santa Maria di Leuca (am Absatz von Italien) entsprechen. Dort ist es niemals so kalt wie hier in Valdivia. Bedingt ist dies dadurch, dass hier der Golfstrom fehlt und das Meer im Sommer nie so stark aufgeheizt wird, wie das Mittelmeer. Zudem steht hier ein Strom aus der Antarktis, der sehr kaltes Wasser bringt. Dieser Meeresströmung heisst Humboldtstrom.  
            Am Samstag war die Feier zum 95 jährigen Bestehens des Yachtklubs. Zuerst gab es in der Kuppel, der ein Anbau mit Toioletten, Duschen und einer Küche angefügt wurde, ein Aperitiv. Es war eine kleine Feier zur Einweihung derselbender Kuppel, die zur gleichen Zeit renoviert und verbessert wurde. Der Präsident hielt eine kurze Ansprache, wirklich nur eine kurze und kein langes Geschwafel. Anwesend waren viele der Klubmittglieder, alles in allem etwa sechzig Personen. Es gab einen Cocktail und viele verschiedene „Amuse bouches“.
            Wir gingen anschliessend hinüber ins sogenannte Casino, angebaut am Bootshangar. Es gab ein Menu mit gut drei Centimeter dicken Filetsteaks, gebratene Kartoffeln, zwei Sorten Gemüse und eine gemischte Salatplatte. Dazu wurde ein Rotwein seviert oder Mineralwasser und Fruchtsäfte. Das Dessert bestand aus zwei Teilen. Der erste war eine Bavaroise mit einer Sauce aus einheimischen Früchtchen, die gerade jetzt geerntet werden. Der zweite war eine Torte aus dünnem Blätterteig in vielen Schichten mit einer Fruchtmasse dazwischen. Dazu gab es Neskaffee, wie hier überall üblich. Um vier Uhr kam ich leicht angeschlagen ins Bett.

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