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Von
Neiafu nach Suva in Fiji und die Reise mit dem Bus durch die Insel

Nach einigen geruhsamen Tage in Neiafu geht es wieder weiter. Mein Törn
führt mich über 450 Seemeilen nach Fiji. Ich habe drei Varianten in meinen GPS
eingegeben, die ich je nach Wind wählen kann. Die Überfahrt wird vier bis fünf
Tage dauern, je nach der Stärke und der Richtung des Windes.
Wie Du sicher gehört hast, ist der König von Tonga gestorben und
vorgestern war die Beerdigung. Läden, Restaurants und der Markt waren
geschlossen und die Landesfahnen sind alle auf Halbmast. Für einen Monat ist
Staatstrauer angesagt. Es darf keine laute Musik gespielt werden und die Geschäfte
sind mit Trauerflor dekoriert. Früher war die Trauer auf ein Jahr ausgelegt,
dieses mal nur fünf Wochen. Im Radio wurden die Einwohner aufgefordert,
schwarze Kleider zu tragen. Einige habe ich gesehen, die tragen eine schwarze
Binde am Arm.
Am Samstag war ich bei Evi und Hans auf ihrem Schiff und habe mit ihnen
über Feuerland gesprochen, das sie durchsegelt haben und das mein Ziel nach
Neuseeland sein wird. Alle, die ich bis jetzt getroffen habe und die dort
gewesen sind, sind einhelliger Meinung, dass dies eines der schönsten
Segelreviere sei. Es gibt sogar welche, die wieder dorthin zurück wollen. Am
Sonntag sind sie bei mir an Bord gekommen, ich habe sie eingeladen, um zu
besprechen, wohin ich die Heizung installieren soll.
Der Montag war dazu bestimmt, die Heizung in Kanada zu bestellen, was ich
per Internet gemacht habe. Es ist eine Dieselheizung, in der man auch Petrolium
verbrennen kann und einen Kamin hat. Mit allem Drum und Dran kostet sie mich
etwa 2000 SFr, die Arbeit natürlich nicht mitgerechnet. Dazu muss ich dann in
Neuseeland noch eine Schale aus Chromstahl machen lassen, die unter dem Ofen
angebracht wird. Auch einen kleinen Dieseltank muss noch organisiert werden, der
höher als der Brenner sein muss.
Am Donnerstag, den 21. hatte ich einen stressigen Tag. Einkaufen, zum
Internet gehen um das Wetter herunter zu laden, Ausklarieren bei Emigration,
Hafenmeister und beim Zoll. Entlich so gegen vier konnten wir die Hafenbucht von
Neiafu verlassen. Ich habe Guy, ein Franzose, an Bord genommen, der nach Fiji
wollte. Das Schiff, mit dem er nach Tonga kam, hatte Probleme mit dem Motor und
konnte nicht auslaufen, obwohl sie es versucht haben. Er muss so gegen den
zehnten Oktober in Numea auf Neukaledonien sein.
Nach einer einstündigen Fahrt erreichten wir die offene See und setzten
die Segel. Anfangs war es noch recht gemütlich, solange wir in Abdeckung waren.
Je weiter wir von Vava’u weg waren, umso höher wurde der Seegang und der Wind
nahm zu. In der Nacht hatten wir für vier Stunden Flaute. Dann nach einem tüchtigen
Regen begann es aus Südsüdost einsetzende Passat, aber die Bewölkung und der
Regen hörten nicht auf. Schon bald erreichte der Wind eine Stärke von fünf
Bf. und der Seegang stieg auf drei Meter. In der zweiten Nacht stieg der Wind
auf 6 Bf. und die Wellen erreichten eine Höhe von vier Metern.
Mit den Tellern in der Hand ist Guy durch die Pantry zum Navigationstisch
geschleudert worden und hat sich an der Kante desselben relativ stark verletzt.
Er hat wohl die Wachen gemacht aber jede Bewegung hat ihm starke Schmezen
veruracht. Auch das Schlafen war für ihn eine Plage, hat er sich kaum ohne
Schmerzen hinlegen können. Auf der Seite zwischen den Rippen und der Hüfte hat
er einen mächtigen Bluterguss. 
Das längste
Etmal war 163 Seemeilen und für die dritte Nacht musste ich die Geschwindigkeit
reduzieren, da ich nicht in der Nacht in Suva einlaufen wollte. Also, ich setzte
die Fock und barg den kleinen Klüver. So habe ich die Geschwindigkeit auf vier
bis fünf Knoten reduziert. So erreichte ich die Einfahrt in die Bucht von Suva
beim Morgengrauen. Die Einfahrt ist in der Nacht kaum zu befahren, denn die
Befeuerung ist recht konfus. Hans, ein Schweizer, ist letzte Nacht
hereingekommen und er sagte, dass es recht schwierig sei, die Feuer auszumachen.
Um
abzuschliessen, haben wir also drei ein halb Tage gebraucht, um von Neiafu nach
Suva auf Fiji zu segeln, dies ist sicher ein guter Durchschnitt für eine
Strecke von 500 Seemeilen. Der Durchschnitt lag also bei 5,9 Knoten.
Vorgestern haben wir einklariert – den ganzen Tag haben wir dafür
gebraucht. Etwa an die acht verschiedene Formulare sind auszufüllen mit Fragen,
die für den Staat sicher ohne Bedeutung sind. Der Zuständige für die
sogenannte Gesundheit war nicht im Haus und wir mussten am Nachmittag nochmals
hin. Da hatte der Doktor aber keine Papiere bei sich und das Warten ging wieder
los. So gegen halb fünf war schliesslich alles erledigt und wir haben auf dem
Markt noch etwas zum Abendessen eingekauft.
Da wir solange in der Stadt warten mussten, sind wir in ein indisches
Restaurant gegangen und haben dort zum Mittag etwas gegessen – sehr billig und
sehr gut gewürzt, für Guy etwa zu scharf! Gestern und die letzte Nacht hat es
hier so stark geregnet, dass ich gemeint habe, dass die Sintflut wieder zurückkommt.
Unser Beiboot hatte gestern Morgen zwanzig cm Wasser drin, das von Guy augeschöpft
wurde.
Am Donnerstag habe ich die beiden leeren Gasflaschen auffüllen lassen.
Das heisst, dass ich wieder für ein halbes Jahr eingedeckt bin. Wir waren zu
dritt und haben uns zusammen ein Taxi geteilt, um zur Abfüllstation zu fahren.
Eine grosse Flasche habe ich jetzt noch angeschlossen, deren Füllung ich in
Neuseeland veranlasst habe. Das Gas scheint hier nicht besonders stark zu sein.
Hans von der „Rêve du Lune“ meint, dass es viel länger dauert, bis das
Wasser kocht.
Am Nachmittag habe ich noch den Rest des Einklarierens erledigt – ich
habe die Rechnung für die Gesundheit bezahlt und habe ein Cruisingpermit
abgeholt, das mich berechtigt, in Fiji andere Buchten und Häfen anzulaufen.
Somit ist alles geregelt und es kann losgehen, sofern das Wetter mitspielt. Laut
dem Wetterbericht solles aber noch bis zum 10 Oktober ständig regnen, so ist
die Prognose von Winfried, dem Wetterfrosch am Kurzwellenfunk.

Am Freitag
Morgen musste ich schon früh aus den Federn, hatten Liz, Hans und ich vor, die
Insel zu umrunden. Um sieben Uhr haben wir uns beim „Dinghidock“ getroffen,
beide Ausseborder wurden in die Werkstatt gebracht und es ging los. Mit dem Taxi
fuhren wir in die Stadt zum Busbahnhof. Kaum hatten wir unsere Fahrkarten gelöst
und die Plätze bezogen ging es in Richtung Ost, um die Hafenbucht von Suva zu
umrunden. Vorbei am Tradewindhotel änderte sich dann der Kurs auf West. Da es
hier in der Gegend von Suva viel regnet, ist der südliche Teil der Insel recht
grün und zum mindesten bis nach dem Ort „Pacific Harbor“ überwuchert mit
tropischen Pflanzen.
Weiter gegen Westen wird es dann bedeutend trockener und der Bewuchs
nimmt auch ab. Die Einwohner habe überall grosse Manioka- und Tarofelder
angelegt, was ein grosser Teil ihrer Nahrung ausmacht. Westlich von Sigatoka, wo
die Strasse mehr gegen Norden abbigt, werden die Blicke durch die immensen
Zuckerrohrfelder angezogen. Hier gibt es auch eine kleine Eisenbahn, die den
Transport des Zuckerrohres ausführen sollte. Die Zuckerfabrik befindet sich in
Lautoka, unserem heutigen Reiseziel. 
Etwa um ein
Uhr sind wir in Lautoka eingetroffen, Hans und Liz haben sich im teuren
Waterfront-Hotel ein Zimmer reserviert. Da dort eine Tagung war, habe ich kein
Bett gekriegt und bin dann ins „Lautoka Hotel“ verwiesen worden, wo es für
mich nur einen Raum mit Doppelbett ohne Toilette und Dusche gab. Dafür musste
ich nur 35 Fijidollar bezahlen, was etwa 22 SFr ausmacht. Zusammen haben wir die
Stadt trotz Regen durchstreift. Nur viel interessantes haben wir hier nicht
entdeckt ausser dem Markt, der grösser ist als der in Suva.
Hans und ich haben uns je ein schön farbiges Hemd mit Blumenmuster so
richtig südpazifisch gekauft. Der Preis lag so bei neun SFr. Liz besorgte sich
zwei paar Shorts für je SFr 2.80! Nach einem gemütlichen Abendessen mit einer
Flasche Wein gingen wir recht früh ins Hotel zurück, da wir ja am Morgen
wieder in aller Hergotsfrühe aufstehen mussten. Um halb sieben war ich wieder
beim Markt und habe bei einem chinesischen Fast-Foot-Restaurant gefrühstückt
– zwei Spiegeleier, zwei Toastscheiben, Gurken und Tomatenscheiben. Der Kaffe
war schrecklich!
Um viertel vor acht fuhr der Bus los, zuerst mal nach Tavau, wo wir
eigentlich mit einem Geländefahrzeug gegen Süden gehen wollten. Eine
einheimische Frau sagte uns jedoch, dass am Sonntag kein Bus von Suva aus in die
Berge fahren würde und wir dort
zwei Nächte bei Einheimischen übernachten müssten. Dies wollten wir nicht und
haben eine andere Buslinie genommen und sind die „Kingsroad“ weiter der Küste
entlang gegen Osten gefahren.
Noch über Rakiraki hinaus ist alles voller Zuckerrohr. Darnach ging es
in die Berge, wo es wieder viel mehr Wasser hat und der Urwald zwischen den Dörfern
überhand nimmt. Eine lange Zeit fuhren wir einem Fluss entlang, der wegen den
grossen Regenfällen des Vortages viel braunes Wasser führte. Hier in den
Bergen sahen wir riesige Herden von Kälbern und Rindern, wie bei uns in den
Voralpen oder im Jura. Nur eben, die Pflanzenwelt ist natürlich tropisch und es
gibt viele Bambusgruppen, deren Stämme – wenn man sie als solche bezeichnen
kann – zum Bau von Flössen gebraucht werden.
Später erreichten wir wieder die Küstenebene, kamen aber nie mehr in
die Nähe des Meeres. Von Nausori, dem östlichen Flughafen, ging es dann zurück
nach Suva, das wir um vier Uhr erreicht haben. Es waren noch Brot und Eier
einzukaufen und mit dem Taxi ging es zurück zum Yachtklub. Die erst Bewegung
war das Inspizieren der Beiboote, da es am Tag vorher stark geregnet hat. Dave,
ein freundlicher Engländer, hat unsere beide Beiboote von den riesigen
Wassermassen befreit – zum Glück!
Am Montag brachte ich meine beiden Klüver zum Segelmacher, da beide
Beschädigungen aufwiesen und ich nicht mit kaputen Segeln nach Neuseeland zurücksegeln
will. Ich habe ihm zweihundert Fijidollars Anzahlung gegeben und hatte dann
gleich kein Geld mehr bei mir. Beim nächsten Bankomaten wollte ich wieder
beziehen, nur er verweigerte mir den Zugriff. Noch bei zwei anderen Bankomaten
war das Ergebnis dasselbe. Ich konnte mir gerade noch ein Brot leisten und damit
hatte es sich. Am Abend habe ich es noch einmal probiert und siehe da, es ging.
Mit Liz und Hans, die ein Auto gemietet hatten, sind wir in die Berge
gefahren, mitten durch die Insel. Zuerst war noch asphaltierte Strasse, bald
aber nur mehr Naturstrassen mit immensen Löchern, gefüllt mit Wasser der
letzten Regenfälle. Bald waren es auch nur mehr bessere Feldwege voller rotem
und glitschigem Schlamm. Die erhältliche Karte der Insel ist kein Wunderwerk
und die Ortschaften, die darauf verzeichnet waren, haben wir nie gesehen. Nicht
einmal das Elektrizitätswerk ist darauf angegeben. Es soll eine neue version
geben aber sie ist nirgends erhältlich.
Der südliche Teil der Insel ist sehr feucht und dementsprechend ist auch
die Üppigkeit der Vegetation. Allein vier Sorten wilder Orchideen konnte ich
ausmachen, die überall an den steilen Hängen wuchsen. Vor einigen Häusern der
Bergbewohner sahen wir auch domestizierte Sorten. Weiter oben sahen wir keine
Kokospalmen mehr, dafür waren die Berghänge mit armdickem Bambus bewachsen.
Hier oben bestimmten auch die Baumfarne das Bild, die bis zu zehn Meter hohe Stämme
bildeten.
Wir sahen auch verschiedene wild wachsende Strelizienarten und auch
Heliconias, letztere zum Teil bis sechs Meter hoch. Riesige Ficus beniaminis
wuchsen nahe bei den Häusern, sie werden geduldet, da sie Schatten spenden und
den Regen abhalten. Alles ist mit Schlingpflanzen überwuchert und verhindern
ohne Machete das Eindringen in die Wälder. Eine Schlingpflanze haben wir
entdeckt, die Bohnen in der Länge von fast einem Meter und in der Breite acht
Centimeter prodiziert. Zu unserem Glück hat es nicht geregnet, so konnten wir
alles schön geniessen.
Wir wurden die ganze Zeit richtig durchgeschüttelt, was auf die Dauer
etwas ermüdend wirkte. Die ganze Tour dauerte zehn Stunden, was gerade noch zu
ertragen war. Aber was solls, gesehen haben wir viel von der Insel. Als wir
unten auf den Asphaltstrassen angekommen waren, hat Hans bei einer Tankstelle
das total mit roten Schlamm überkrustete Fahrzeug gewaschen. In der Zeit bin
ich losgegangen und habe uns Samossa und fritierte Cassawa (Manioka) gekauft,
die wir dann unterwegs nach Suva gegessen haben. Liz hatte zum Lunch Sandwiches
mitgebracht und eine Cola, die mit Himbeersaft versetzt war.
Jetzt gilt es noch auf die Segel und auf gutes Wetter zu warten, um der Südküste
von Viti Levu entlangzu segeln, um etwa in einem Monat die Insel in Richtung
Neuseeland zu verlassen.
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