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Von
Whangarei nach Raivavae, Tubuai und nach Papeete in Tahiti, Mitte März
2006
Die Zeit ist jetzt günstig,
die nächste Überfahrt in Angriff zu nehmen. Die letzten tropischen Stürme auf
dem Südpazifik sind im Gange. Da ich aber weiter im Süden bin, haben diese
keinen Einfluss auf meinen Törn. Im Moment haben wir hier in Neussland ein
kleines Hochdruckgebiet, das aber durch kleine Tiefs abgelöst werden soll.
Stephan hat es vorgezogen, nach hause zu fliegen. Es ist besser so, hat
er doch eine Heidenangst vor der Überfahrt nach Tahiti gehabt. Er wollte
unbedingt, dass ich mit ihm in den Süden segle, um zu testen, ob er rauhes
Wetter überhaupt aushält. Freiwillig gehe ich nicht in ein Sturmgebiet, sollte
es einem draussen erwischen, muss man damit leben. Am 14. März kam Konrad an
Bord, mit ihm mache ich jetzt diesen Törn.
In der Zwischenzeit hat mich eine triste Mitteilung erreicht: am Sonntag,
den 15. März ist meine Mutter gestorben. In vierzehn Tagen wäre sie 95 Jahre
alt geworden. Leider ging ich erst am Dienstag ins Internet und habe also sehr
spät von ihrem Hinscheiden erfahern. In die Schweiz zu fliegen lag nicht mehr
drin, wäre die Beerdigung ja schon vorbei gewesen. Nun, ich muss halt damit
leben und dies hier auf dem Schiff bewältigen.
Die letzten Tage haben Konrad und ich uns mit dem Einkauf beschäftigt.
Sehr viel Ware – vorallem Konserven und Nudeln habe ich in Massen eingekauft,
da es in Tahiti sehr teuer sein soll. Am Samstag morgen waren wir auf dem Markt
und haben haltbare Gemüse eingekauft. Den Rest kaufen wir heute, damit wir
Morgen bei Hochwasser die Marina verlassen können.
Am 24. Tag liefen Konrad und ich in Raivavae ein. Wir hatten
unterschiedliche Bedingungen, Winde aus allen Richtungen und in Stärken
zwischen null und acht Bf. Somit gab es auch verschieden lange Etmale (von 12
Uhr bis 12 Uhr mittags). Das längste war 163, das kürzeste 76 Seemeilen.
Whangarei verliessen wir bei Hochwasser um ein Uhr und nach den zwölf
Meilen Flussfahrt setzten wir bei der Ausfahrt gleich die Segel. Wir hatten
einen strammen Westnordwest-Wind und mussten schnell mal reffen. Der Wind nahm
ständig zu, bis wir nur noch die Fock oben hatten, es blies mit acht Bf! Etmal
140 sm. Konrad konnte nichts essen, da er Seekrank war, hat aber alle Wachen
tapfer durchgestanden.
Der zweite und dritte Tag brachte uns Winde aus Südost bis Ostsüdost
und wir segelten fast hart am Wind bei einem relativ hohen Seegang. Dann hatten
wir für einige Stunden Flaute und fuhren für drei Stunden mit dem Motor. Es
kam dann wieder Wind auf und zwar aus Südost, der sich schlussendlich auf Südwest
bis Westsüdwest einpendelte. Sechs Tage kreuzten wir nun vor dem Wind mit etwa
drei Bf. Am sibenten Tag hatten wir wieder eine Flaute und liessen uns in der
Nacht treiben.
Am zehnten Tag begann der Wind sich immer mehr nach Süden zu drehenbis
er aus Südost kam. Am achtzehnten Tag fuhren wir wieder in eine Flaute, konnten
aber nach etwa vier Stunden Fahrt mit dem Motor die Segel wieder setzen, nur,
der Wind kam jetzt aus Norden bis Nordnordwest. Also: wieder hart am Wind in
Richtung Ostnordost zu Nord. Diese Situation dauerte ganze sieben Tage. Da mein
Schiff am Wind relativ langsam ist, sanken die Etmale auf neuzig bis hundertzehn
Meilen.
Am vierundzwanzigsten Tag um acht Uhr morgens liefen wir in den Riffgürtel
von Raivavae ein und gingen etwa zweihunder Meter von der Hafenmole weg vor
Anker. Raivavae ist eine sehr schöne Vulkaninsel mit einem Atoll rund herum mit
einerEinfahrt im Nordwesten. Nach einem ausgiebigen Bad im warmen Südpazifik
gingen wir zum Einklarieren und haben dort festgestellt, dass wir kein Geld
umtauschen konnten. Kreditkarten können auch nicht gebraucht werden und einen
Bancomaten gibt es auch nicht!
Wir haben also beschlossen, nach Tubuai, auch eine Vulkaninsel mit Atoll,
zu segeln. Auf der Insel besuchten wir noch den Tiki mit dem abgebrochenen Ohr.
Tikis waren die ehemaligen Götter der Südseeinsulaner. Erstaunlich ist, dass
die Missionare dies Statue nicht zerstört haben. Unterwegs trafen wir eine ältere
Dame, die einen wunderschönen Hut trug und ich fragte sie, ob ich sie
fotografieren dürfe. Nach dem Besuch der Gendarmerie hat uns ein einheimisches
Ehepaar Bananen und Grapefrutes angeboten. Ich habe zu ihnen gesagt, dass wir
aber kein einheimisches Geld hätten. Ihnen war aber der Dank von uns genug.
Nach dem Mittagessen fuhren wir los, zuerst mit dem Motor aus der Lagune
und im Durchlass konnten wir das Gross setzen. Alles ging gut bis dann gegen
Mitternacht rund um uns herum Gewitter tobten. Über uns waren zwar noch Sterne
aber die Bewölkung rund herum nahm auch ständig zu. In meiner letzten
Nachtwache von Mitternacht bis drei Uhr nahm der Wind ständig zu. Bei jeder
Regenfront die uns traf, erwischten uns Böen, eine davon war zwar nur sechs
Minuten lang, ihr Stärke betrug aber zwischen neun und zehn Bf.
Bei dem sich entwickelnden Wellengang kamen wir am Wind nur schlecht
voran, so beschöloss ich, den Motor als hilfe einzusetzen. Gegen Mittag
segelten wir nur mit der Fock durch den Westpass in das Atoll und dann mit dem
Motor zum Ankerplatz. Zwei mal musste ich das Ankermanöver fahren, bis der
Anker entlich griff. So gegen drei Uhr sahen wir einen weitren Segler
hereinkommen, es war ein Irländer, auch er kam aus Neuseeland.
Ein wenig später hat der Schwell, der über das Atoll kam, den Anker
ausgerissen und wir fuhren weiter nach Osten, wo uns eine Atollinsel ein wenig
Schutz bot. Wir beschlossen, Ankerwache zu gehen, die ersten sechs Stunden
trafen mich, die nächsten Konrad. Der Anker hat hier aber gehalten. In der
Wache von Konrad drehte der Wind auf Süden, also von der Insel her und so sind
wir am Morgen zum Anleger zurück gefahren. Zuerst wollte ich daran anlegen, der
Schwell der Nacht vorher war aber so stark, dass ich wieder vor Anker ging. Die
Berge herunter brausen starke Böen, der Anker hält aber.
Konrad verlässt nun das Schiff und wird nach Papeete fliegen, hat er
sich doch nie richtig an den Seegang gewöhnen können. Ihm geht es an Land
besser! Ich war bei der Gendarmerie um mich anzumelden und anschliessend ging
ich auf die Bank und habe am Bankomaten Geld bezogen. Siehe da: es hat
funktioniert! Da ich von der Ankerwache und der Nachtsegelei über eine
Zeitspanne von 25 Tagen recht müde war, verbrachte ich den Nachmittag
schlafend. Gelegentlich fuhr ich auf, da eine tolle Bö den Berg herunter sauste.

Am Freitag, den 21. April ging ich trotz hoher Dünung an Land und wollte
Früchte und Gemüse einkaufen. Gefunden habe ich zwar nicht sehr viel, muss
doch vieles importiert werden und die Einheimischen haben ihren Garten, sind
somit fast Selbstversorger. Als ich wieder beim Schiff angekommen bin,ist mir
etwas schreckliches passiert.
Ich liess den Motor laufen, hielt mich an der Reling fest und wollte den
Plastiksack mit den Einkäufen an Bord hiefen. Dabei habe ich leider mit dem
Sack den Gashebel berührt und das Beiboot schoss unter mir weg. Ich war im
Wasser mit den Einkäufen und allem – das Beiboot verreiste mit dem Wind. Ich
konnte nur mehr zusehen, wie es kleiner und kleiner wurde. Wieder um eine
Erfahrung reicher und viel Geld verloren!
Zwei Stunden später hörte ich ein Auto hupen, es waren die Gendarmen.
Mit Zeichen haben wir uns verständigt und sie brachten mir bei, dass ein
Fischer das Beiboot aufgefischt habe. Der Fischer kam dann an, hatte das Beiboot
in seinem Schiff und brachte es mir zurück. Welch aufatmen!
Am Samstag kam dann das Versorgungsschiff von Tahiti. Noch spät in der
Nacht fuhr es wieder weg und am Sonntag morgen verlegte ich mein Schiff an den
Quai. Noch nicht lange war ich dort, kam der Fischer mit seinem Freund vorbei
und hat sich erkundigt, was eigentlich passiert sei. Ich habe ihn gefragt, was
er für die Bergung haben wolle und er sagte „rien, rien“. Sein Freund sagte
dann zu mir, bring ihm doch eine Flasche seines Lieblingsgetränkes – Whisky.
Am Montag ging ich dann in die Gentarmerie, um auch ihnen mein Ungeschick
zu erklären. Auf dem Rückweg kaufte ich einen Whisky und wartete auf den
Fischer, der immer gegen Mittag zurück kam. Ich habe ihm die Flasche überreicht
und mich noch einmal bei ihm herzlich bedankt. Als ich weggehen wollte, sagte
er, warte einen Augenblick und schnitt von einem der Tunfische eine Hälfte ab
und gab sie mir in einer Plastiktüte.
In der Nacht auf Dienstag ertrug ich den Lärm am Quai nicht mehr. Der
Schwell hat immer zugenommen, da der Südostwind immer Stärker wurde. Das
Schiff fuhr vor und zurück, es knallte in die Leinen und die Fender kwietschten
jämmerlich. Ich legt ab und ging auf der Wind geschützen Seite des Quai vor
Anker. Nun blieb noch das aufräumen und das Putzen der Fender. Nachher ging ich
nicht mehr an Land.
Am Donnerstag ging es dann los, Drei Reffs im Gross und mit dem kleinen
Klüver Richtung Norden. Der Wind war sehr stark – fünf bis sieben Bf. und
ich machte eine höllische Fahrt. Das Schiff lief ständig zwischen sieben und
acht Knoten. In der Nacht liess dann der Wind nach und am Morgen machte ich nur
mehr knappfünf Knoten. Ich habe dann die Fock gesetzt und nach und nach ein
Reff nach dem anderen herausgenommen. Das letzte liess ich aber drin, da die
Aries besser steuert, wenn der Druck des Grossegels nicht zu gross ist. Jetzt
lief das Schiff wieder sechs knoten – Etmal 164 sm.
Am zweiten Tag lief es auch sehr gut, machte ich doch ein Etmal von 141
Meilen. Leider konnte ich Papeete nicht vor der Nacht erreichen. Beim Einnachten
hatte ich auf einmal thermische winde genau auf die Nase und dsie letzten 25
Meilen legte ich mit dem Motor zurück, ich wollte nicht mehr kreuzen. Um ein
Uhr liess ich vor den Yachten den Anker fallen und ging mal schlafen. Am Morgen
verlegte ich das Schiff dann „Römisch-Katholisch an den Yachtpier.
Hier habe ich Christian Rassy getroffen, der mit einer
62-Fuss-Halberg-Rassy auf einer Weltumsegelung ist – üblicher Weg gegen
Westen. Am Abend sind wir dann zusammen mit der Crew einer englischen Yacht ins
Restaurant zum Essen gegangen. Habe ich übrigens mal erwähnt, dass ich in
Whangarei den französischen Rockstar der siebziger Jahre Antoine mit seinem
gelben Katamaran getroffen habe?
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