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Von
Opua nach Whangarei
Leider habe ich mir am 24. Oktober mit Vnzenz einen Alkoholiker
aufgehalst. Er war zu nichts fähig, ist nur heumgehockt und hat vor sich hin
gestarrrt. Es ist mir lanwilig, hat er gesagt, wäre aber nicht in die Stadt
gegangen um die Museen zu besuchen. Zum Frühstück trank er nicht etwa Kaffe
oder The, nein gleich eine meiner Tassen (etwa zwei dl) Rotwein, sofern
vorhanden. In vier Tagen hat er sieben Liter Wein, von dem ich etwa sechs Gläser
hatte, ausgetrunken, das Bier ist dabei nicht mitgezählt.

Nach zwölf Tagen Überfahrt wusste er immer noch nicht, was die Klüver
oder die Fockschot ist, ganz zu schweigen von den Backstagen oder der Fallen.
Sein Gehirn war schon so verbrannt, dass er sich nichts merken konnte. Weder an
der Natur, noch an Kontakten mit anderen Leuten war er interessiert, ausser sie
waren auch Trinker. Ich segle lieber allein, als mit einem Menschen, dem man
nichts zutrauen und sich nicht auf ihne velassen kann und keine Hilfe ist.
Letzten Mittwoch habe ich in der Opua Marina abgelegt und segelte mit
gutem Wind durch die Bay of Islands hindurch gegen Süden. Der Kurs führte
zuerst nach Nordost bis zum Kap Brett und dann gegen Süden, wo ich am
Nachmittag im Whangamumu Harbor, einer ehemaligen Walfangbasis vor Anker ging.
Hier ist kein richtiger Hafen, es ist eine Bucht ohne Hafenanlagen. Bis zum
Abend lagen sechs Schiffe in der Bucht.
Tags darauf früh am Morgen ging es los, wieder Richtung Südost. Mit
vorerst leichtem Südwestwind segelte ich der schönen Küste entlang. Die Küste
von Neuseeland ist bedeutend schöner als die australische, Grasflächen
wechseln mit Wald oder Busch. So gegen zwölf Uhr legte der Wind zu und ich
machte manchmal bis zu sieben Knoten Fahrt. Leider war er sehr unregelmässig
und ich musste praktisch die ganze Zeit am Ruder sein, um die Böen abzufangen.
Ungefähr um drei Uhr lief ich in die Tutukaka-Bucht ein, wo jetzt eine
Marina gebaut wurde. Ich ging jedoch auf der Ostseite der kleinen Phillip-Insel
in der Bucht drin vor Anker. Zum Abendessen lud ich Heike und Klaus zum
Abendessen ein, die auch nach Whangarei wollen. Ich kochte ein vegetarisches
Nudelgericht und Heike brachte die Nachspeise mit. Auch eine Flasche Wein haben
sie mitgebracht. Anschliessend fuhren wir mit meinem Beiboot in die Marina, da
sie eventuell ihr Schiff hierhin verlegen wollen, in der Zeit wo sie per
Flugzeug nach Australien gehen wollen.
Der Wetterbericht sagte für den Samstag Südostwind bis Sturmstärke mit
entsprechendem Seegang an und ich beschloss, wie auch Heike und Klaus gleich
nach Whangarei zu gehen. Wir hatten zuerst Wind aus Südwest, der später auf Südost
drehte. Zum Glück war er noch nicht so stark und hart am Wind ging es auf Bream
Head zu, dem Einfahrtskap vor der Flusseinfahrt. Weiter drin habe ich die Segel
geborgen und mit dem Motor ging es dann in den Fluss hinein. Ich habe mich nicht
getraut, unter Segel den Fluss hinauf zu gehen, muss ich doch die ganze Arbeit
alleine machen. Ist es dann sehr eng, habe ich zuwenig Raum, um die Bergemanöver
ohne Gefahr auzuführen.
Kurz vor vier Uhr legte ich am Steg der Marina an und der Hafenmeister
wies mir einen Liegeplatz zu, der zwischen vier Pfählen liegt. Heike und Klaus
halfen mir, das Schiff dorthin zu verlegen, wo ich mit vier Leinen fest liege.
Mit dem Beiboot muss ich halt jetzt immer an Land fahren. Am Abend ging ich mit
den beiden ins Hafenrestaurant, um für ihre Hilfe mit einem Bier zu danken.
Heute Samstag, war der Vormittag noch ruhig und die Sonne hat den Regen
der letzten Nacht wieder getrocknet. Gerade als ich den Klüver im Sack verstaut
hatte und ich dabei war, das Grosssegel mit der Persenning abzudecken, fing es
wieder an zu regnen und ein starker Südostwind kam auf, der draussen auf dem
offenen Meer sicher um einiges Stärker ist. Ich bin natürlich froh, sicher zu
liegen.
Am 1.
Dezember habe ich die Al Na’ir nach „Dockland 5“ verlegt und aus dem
Wasser nehmen lassen. Sie wurde zu „Rudolph & Son“ gebracht, da ich
einiges sandstrahlen musste. Der Freitag wurde damit zugebracht, alles
vorzubereiten, damit dann am Samstag die Arbeit in Angriff genommen werden
konnte. Zwei Mann waren bis Mittag für drei Stunden beschäftigt und
anschliessend habe ich alles mit Grundierfarbe bestrichen, was ich am Tag darauf
wiederholte.
Den Sonntag
verbrachte ich mit dem Schleifen der Reling, eine nie enden wollende Arbeit.
Weiter ging es dann mit dem Schleifen der Partie oberhalb der Scheuerleiste und
dem Bugspriet. Am Donnerstag wurde das Schiff nach „Dockland 5“ überführt
und das Schleifen der Partie unterhalb der Scheuerleiste fing an. Bis zum
Sonntag war ich damit fertig und ich konnte mit dem Streichen beginnen. Vorerst
wurde das ganze Schiff mit Untergrundfarbe gestrichen, die eine bessere Haftung
des Endanstrichs garantieren soll.
Ein Problem
sind hier die Gerüste, entweder sind sie mit kleinen Rädern bestückt oder
haben garkeine. Eine zeitlang konnte ich dem Nachbar sein Rollgerüst brauchen,
nur, auf dem Untergrund, bestehend aus gebrochenen Steinen war es eine Arbeit für
einen Herkules, so schwer war es zu schieben. Später liess ich es einfach an
einem Platz stehen und verwendete ein zweites, das ich auseinander nehmen
konnte. Die Teile dazu waren aber auch sehr schwer und ich musste das Gerüst
sechs mal um das ganze Schiff herum aufstellen.
Zuerst habe
ich den oberen Teil gestrichen, die Reling und der Teil oberhalb der
Scheuerleiste, mit weisser Farbe. Immer wieder hat es geregnet und ich konnte
von der Zweikomponenten-Farbe nur kleine Quantitäten mischen, da ich die Arbeit
immer wieder unterbrechen musste. Zwei Anstriche waren nötig und dann konnte
ich den unteren Teil anfangen. Dieser wurde nun in einem leuchtenden Orangerot
gestrichen. Auch hier mit unterbrüchen von einem Tag, da es nur geregnet hat.
So dauerte die Streicherei natürlich bedeutend länger als ich vorgesehen
hatte.
Entlich, zwei
Tage vor Weihnchten wurde ich mit dem zweiten Rotanstrich fertig. Da ich noch
ein neues Echolot einbauen muss und ich die Farbe zuerst richtig aushärten
lassen wollte, begann das Antifouling erst am 27. Dezember. Mit Abdeckband ging
es rund ums Schiff zuunterst auf der roten Farbe. Den Tag darauf habe ich die
Rostpartien mit Phosphorsäure an Deck entfernt, verursacht vorallem durch den
rostigen Anker und die rostige Gasflasche. Das Unterwasserschiff habe ich
teilweise angeschliffen und soweit vorbereitet, dass ich die Giftfarbe auftragen
konnte.
Am Freitag,
den 30. Dezember war es dann soweit, sobald der Tau abgetrocknet war, ging es
zur Sache und mit dem Roller wurde das dunkelrosa bonbonfarbene Antifouling
aufgetragen. Um vier Uhr, nach sieben Stunden, war das Werk vollendet. Zwei
Schichten waren aufgetragen und die zehn Liter waren aufgebraucht. Noch blieb
das Reinigen, das Klebeband entfernen und das Aufräumen, so gegen fünf Uhr
konnte ich dann an meinem Körper in der Dusche die Spritzer auf der Haut
entfernen.
Ich war echt
geschafft und nach der Dusche löschte ich den Durst mit einem halben Liter The
und legte mich erst mal hin. Ich musste mich anstrengen, nicht einzuschlafen.
Vorallem die linke Hand, das ist meine „rechte“, war ordentlich ermüdet und
steif. Jetzt bleibt nicht mehr viel zu tun, ausser den Cockpittisch zu streichen
und die Malutensilien und die Maschinen wieder zu verstauen. Auch im
Schiffsinnern soll noch geputzt werden, was hier mit elektrichem Strom einfacher
ist, kann ich doch den Staubsauger benützen.
Weihnacht und
Silvester habe ich ohne ein Fest zu machen, an Bord verbracht, hatte ich doch
noch Erholungs-Nachholbedarf nach dem ewigen Verstellen des immens schweren Gerüstes.
Da die Werft weit vom Ort weg ist, habe ich vom ganzen Rummel nichts gemerkt.
Weder knallerei noch gejohle haben meine Ruhe gestört. Mit einem Buch und einem
Glas Wein ging ich in meine Koje und las bis Mitternacht.
Der Cockpittisch ist nun auch gestrichen und wieder montiert und die kapute
Scheibe beim „Hundshüsli“ über dem Niedergang ist auch ersetzt. Da mir die
Blutdruck-Pillen ausgegangen sind, musste ich einen Arzt aufsuchen, um wieder
neue Tabletten zu bekommen, also wäre auch das erledigt. Heute, den 6. Januar
ging es wieder ins Wasser und zur Marina, wo ich noch eine Woche bleiben werde.
Am 9. Januar kommt Stephan aus Berlin und wird mit mir der Ostküste entlang
segeln. Es kann sein, dass wir nicht nur an der Nordinsel segeln, sondern auch
die Südinsel besuchen.
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