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Von
Brisbane nach Tuncurry
Am 11., es war Donners-tag, bin ich zur „Emigration“
gegangen, um mein Visum zu verlängern. Es werden Nummern verteilt und da ich
mich nicht angemeldet hatte, musste ich warten, warten und nochmals warten. Im
Ganzen bin ich vier einhalb Stunden im Warteraum heumgesessen. Kurz vor vier kam
ich endlich an die Reihe. Jedoch Visum habe ich vorerst keines gekriegt, ich
musste 200 Dollar bezahlen und muss in ein Spital zum Röntgen gehen. Zum Röntgen
musste ich mich anmelden und kann erst am Montag um zwei Uhr antreten.
Am Freitag habe ich das Marinemuseum besucht, das im Trockendock die
Fregatte „Diamant“ beherbergt. Es ist das erste mal, dass ich ein
Kriegsschiff von innen gesehen habe. Die Diamant war im zweiten Weltkrieg im
Einsatz und wurde nach dem Ausmustern an das Marinemuseum verschenkt. Ansonsten
sind viele Ausstellungsstücke aus der Zeit der Kolonisierung. Brisbane war
vorerst ein Gefangenenlager und wurde 1846 zur freien Kolonisierung freigegeben.
Am Sonntag besuchte ich das historische Museum von Brisbane. Hier ist
alles ausgestellt, was in der Umgebung von Bedeutung ist oder war. Von den
Dinosauriern bis zu den heute in Queensland lebenden Tieren ist alles vorhanden.
Hingegen von der Urbevölkerung sieht man nicht viel ausser eine kleine Ecke,
die aber die Kultur der Aboriginis kaum erwähnt oder ausstellt. Ausser ein paar
Wekzeuge, Waffen und „Didgeridus“ – das Alphorn der Ureinwohner – ist
nichts ausgestellt.

Am Dienstag besuchte ich die Kunstgalerie von Brisbane. Hier befinden
sich eine ganze Menge Kunstgegenstände der Aboriginis. Alte europäische Maler
und Bildhauer sind einige vorhanden. Sogar ein Degas, ein Rubens und ein Corot
sind hier ausgestellt. Rodin ist gleich mit vier oder fünf kleinen Brozefiguren
zu bewundern. Hier fehlen aber die berühmten Kubisten wie Miro, Kandinski und
Picasso oder Henry Moor. Moderne Kunst ist ein bisschen kläglich und bedarf
einmal einer Aufbesserung.
Nicht nur Röntgenbilder musste ich machen lassen, sie wollten fürs Visa
noch einen Nachweis, dass ich mindestens 3000 Dollar zur Verfügung habe. Auch
das Cruisingpermit musste ich neu machen lassen, dies ging aber problemlos. Ich
nehme an, dass ich jetzt bis zum 15. November alles habe.
Morgen abend soll eine Mitseglerin kommen. Jedoch weiss ich noch nichts
genaues, da sie auf mein letztes Mail nicht geantwortet hat. Trifft sie ein oder
nicht, werde ich am Sonntag die Einkäufe besorgen und am Montag morgen geht es
los. Nach der Flussfahrt in die Morton Bay, geht es dann durch die engen Kanäle
durch die „Goldküste“ und dann nach Yamba.
Am Abend des 27. August ist Sarah eingetroffen,
eine Studentin aus München. Am Sonntag wurde eingekauft und am Montag in der Früh
ging es aus dem Fluss auf die Morton Bay hinaus. Mit einem Nordost-Wind kamen
wir gut voran, bis die engen Kanäle anfingen. Wir ankerten an den Ufern einer
kleinen Insel, wo wir gut vom Wind geschützt waren. Der nächste Tag brachte
uns mit dem Motor durch die Kanäle zur „Horizon Shore Marina“, wo wir
unseren Wassertank auffüllen konnten.
So gegen neun Uhr fuhren wir los, um die Südausfahrt zu erreichen, wo
wir nochmals ankern wollten, bevor es dann auf den Pazifik hinaus ging. Aber wir
hatten die Rechnung ohne den Wirt gemacht! Etwa zwanzig Minuten südlich der
Marina war der Kanal so untief, dass wir auf eine Sandbank aufliefen und nicht
mehr weiter kamen. Den ganzen Tag haben wir auf die Flut gewartet um endlich
gegen halb sechs Uhr abends wieder aufzuschwimmen. Wir fuhren zurück und haben
in der Nähe der Marina geankert.
Tags darauf ging es zum Teil den Weg wieder zurück und wir gingen am
Abend bei der Ostausfahrt vor Anker. Hier ist eine grosse Sandbarre und wir
mussten diese an einem günstigen Punkt überqueren, haben aber bei dem
gewaltigen Schwell trotzdem zweimal die Sandbank berührt. Ausserhalb der Insel
segelten wir nun in den Süden und erreichten den „Goldcoast Seaway“ gerade
bei Sonnenuntergang und konnten noch mit Sicht in der Bucht ankern. Nach einer
gewissen Zeit wurde Sarah des Pazifikschwells wegen Seekrank. Wir haben durch
diese Sandbank ganze drei Tage verloren.
Am Samstag, den 3. September verliessen wir die Goldcoast und segelten
bei Süd- bis Südostwind kreuzend auf Tweed Head zu, das wir erst am Abend
erreichten. Hier blieben wir einen Tag um uns zu verproviantieren. Sarah fuhr
mit meinem Fahrrad in den Ort und kaufte Lebensmittel ein. Wir lagen an einem
schwimmenden öffentlichen Anlegesteg im Fluss. Als wir anlegten, sprach uns ein
Junge von etwa 12 Jahren in deutscher Sprache an. Seine Eltern betreiben hier
ein Reiseunternehmen vorallem für Eurpäer. Seine Mutter kam zu uns und wir
tratschten zusammen.
Am Montag ging es früh los, da wir Ballina
erreichen wollten. Schon bald stellte sich heraus, dass dies nicht möglich war,
mussten wir dochb die ganze Strecke kreuzen. Der Südsüdost-Wind war auch
relativ stark und der Seegang war gewaltig. Sarah wurde wieder Seekrank. Beim
Einnachten erreichten wir die „Byron Bay“ und ankerten dort auf acht Metern.
Der Pazifikschwell drang in stark abgeschwächter Form in die Bucht und das
Schiff schaukelte. Sarah fühlte sich nicht sehr wohl und sie ass wenig.
Der sechste September brachte uns nun mit starken Südwinden
die kurze Strecke nach Ballina, das wir kreuzend aber trotzdem erst etwa um drei
Uhr nachmittags ereichten. Die Einfahrt in den „Clarence River“ nach Ballina
war aber nicht ohne! Auf der Barre vor der Einfahrt stand ein gewaltiger
Seegang. Da es hier aber tief genug ist, sind wir ohne grosse Probleme in die
Flussmündung eingelaufen. Vor dem neu erstellten Ortsteil von Ballina, wo die
Rentner ihren Lebensabend verbringen wollen, vertäuten wir das Schiff an einem
öffentlichen Schwimmsteg. Nach dem Dunkel werden erschien eine 44 Fuss
Beneteau-Yacht und wir haben sie bei uns längsseits genommen.
Hier beschlossen wir zu bleiben, bis sich der Wind nach dem Durchzug des
Tiefdruckgebietes auf Nordost dreht, um erst bei entsprechendem Wind weiter in
den Süden zu segeln. Am Freitag war es dann soweit. Vorerst mit schwachem Südwest
fing es an und drehte dann auf Nordost mit einer stärke bis vier Bf. Flott ging
es voran und die 40 Meilen waren bis vier Uhr abgesegelt. Durch eine Trickreiche
Einfahrt ging es dann in die Marina von Yamba.
Schon wieder sind zwanzig Tage vergangen und wir, Sarah und ich sind
weiter in den Süden gekommen. Von Yamba aus fuhern wir den Clarance River
hinauf, um Grafton zu besuchen. Etwa ein ein halb Stunden westlich von Yamba
befindet sich eine Brücke, die für die Schiffe in die Höhe gefahren wird,
sofern man einen Tag vorher beim Brückenwärter anruft. Leider konnte ich nicht
bis nach Grafton gelangen, da kurz vorher eine Hochspannungsleitung mit einer
lichten Höhe von 19,9 Metern den Fluss überspannt. Mein Schiff ist aber vom
Wasser aus bis zur VHF-Antenne etwa 20.3 Meter hoch und ich wollte nicht
riskieren, diese Leitung zu berühren.
Kurz vor der Stromleitung gingen wir hinter einer
Insel vor Anker und Sarah fuhr allein mit dem Beiboot in die Stadt, die etwa
zwei Kilometer weiter im Westen lag. Den Tag darauf fuhren wir wieder zurück
und gingen bei Maclean an den öffentlichen Ponton, wo wir einen Tag liegen
blieben. Dies ist ein Ort, der praktisch nur von Schotten bewohnt ist. An allen
Beleuchtungsmasten sind die schottischen Clanfarben in Karomuster und mit den
Namen aufgemalt.
Beidseits des Clarance River ist ein Zuckerrohr-Anbaugebiet und gleich
bei der Brücke ist eine Zuckerfabrik, die hier „Sugar mill“ heisst. Wir
wollten eigentlich dieselbe besuchen. Aus Versicherungs technischen Gründen
geht es leider nicht mehr. Tags darauf fuhren wir zur Brücke und nach dem Öffnen
ging es zurück zur Iluka Bay, gegenüber von Yamba. Wegen einer Sturmwarnung
blieben wir einen Tag in Iluka und wollten am Tag darauf weiter.
Es sollte am nächsten Tag früh am Morgen weiter gehen. Ich habe den
Motor angelassen, aber ohne Gang. Die Schraube hat aber leicht mitgedreht und
hat eine Mooring auf die Schraube gewickelt, die gerade unter dem Schiff war und
die ich nicht gesehen habe. Also ab ins kalte Wasser und versuchen die Leine
wieder heraus zu nehmen. Nur so einfach war es nicht, war doch die Trosse einige
male aufgewickelt worden. Der erste Versuch hat nichts gebracht, ausser dass ich
sehr stark fror.
Später am Tag ging ich noch einmal ins Wasser,
bewaffnet mit dem Brotmesser und ich schnitt die Trosse von der Schraube. Nach
etwa dreiviertel Stunden waren wir wieder frei und verschoben unsere Fahrt auf
den nöchsten Tag. Um nach Coffs Harbour zu kommen hatte wir eine weite Strecke
vor uns. Erst in der Nacht liefen wir den Hafen an und legten uns an einen
freien Platz. Den nächsten Tag blieben wir auch noch im Hafen.
Am 22. September liefen wir wieder nach einer langen Strecke den Macleay
River an. Wir kamen aber gut voran, da wir den richtigen raumen Wind hatten.
Wider mit gutem Wind, diesmal von achtern, segelten wir in Rekordzeit nach Port
Macquarie, wo wir nach einer trickreichen einfahrt in der nähe der Marina in
einem Bojenfeld drin geankert haben.
Der 24. brachte uns nach Camden Haven. Da der öffentliche Besuchersteg
belegt war, gingen wir vor Anker vor dem Ort Laurieton. Vom „United
Servicemens Club“ erhielten wir einen Schlüssel für die Dusche. Dieses
Angebot nützten wir aus. Am Besuchersteg lag die Yacht von Alan Lucas, der die
Hafenhandbücher für die Segler schreibt, ich besitze drei von ihm.
Nach einem Tag erzwungener Pause wegen Sturmwarnung
segelten wir weiter nach Crowdy Heads Boat Harbour und legten am Besuchersteg
an. In diesem Hafen gibt es viel Schwell und das Schiff fährt vorwärts und rückwärts.
Die Fender müssen quer zum Schiff mit einer zweiten leine befestigt werden, da
hier die Dalben zu äusserst sind. Mit Vor- und Achterleinen und Springs bekam
ich schlussendlich das Schiff in den Griff, dass es nicht über die Fender
hinaus herum fuhr.
Weiter ging es dann mit schneller Fahrt nur mit dem Klüver nach Cape
Hawke Harbour, wo wir zwischen einer grossen Sandbank und dem Ufer vor Tuncurry
vor Anker liegen. Gestern waren wir bei einem australischen Ehepaar zum
Abendessen eingeladen. Sie sind auch Rentner und er geht manchmal einem hiesigen
Fischer helfen. Er hat uns gestern eine ganze Tüte Red Snapper geschenkt und
zum Abendessen gab es auch den gleichen Fisch.
Wir sind jetzt schon den dritten Tag hier, da das Wetter für uns
schlecht ist. Wir müssen warten, bis das Tief vorbei ist und wir wieder nördliche
Winde bekommen, um die nächste lange Strecke zu bewältigen.
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