Meine Weltumsegelung

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Copyright © André Blanc, Januar 2008



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 Von Gladstone nach Mooloolaba 

            Am 29. Juni kam ein Mechaniker an Bord und hat den Motor ausgebaut. Mit einem zweiten Mann wurde der Motor mit einem Differential-Flaschenzug angehoben und ins Cockpit verfrachtet. Das Schiff wurde verholt und mit einem an Land stehenden Kran wurde er dann herausgehoben auf einen kleinen Lastwagen geladen. Und ab in die Werkstatt!
            Tags darauf ging ich hin und der Motor war zerlegt. Der Chef erklärte mir, dass die Zylinder und die Kolben ausgewechselt werden müssen, die Ventile eingeschliffen und der Turbo hätte auch eine undichte Stelle. Kostenpunkt: Etwa 10'000 australische Dollars. Leider waren nicht alle Ersatzteile in Australien am Lager und sie mussten in Japan bestellt werden. Jetzt heisst es warten, warten.
            Rolf und sein Sohn Ralf aus Port Moresby, die auf einer Tour in Australien waren, haben mich am 2. Juni besucht. Sie sind bis Brisbane geflogen, haben dort ein Auto gemietet und sind der Küste entlang nach Norden gefahren. Es war schön, die beiden wieder zu sehen und mit ihnen zu klönen. Sie werden in Cairns das Auto zurück geben und wieder zurückfliegen. Ich weiss nicht, welche Orte sie noch besucht haben.
            Hier in Gladstone ist nicht viel los, es ist eine Insustriestadt, mit einem Aluminiumwerk und es wird im Hafen viel Kohle auf Supperfrachter verladen, die alle nach China gehen. Die Mienen sind im Innenland und sehr lange Güterzüge bringen das schwarze Gold in den Hafen, wo es dann mit Transportbändern in die Frachter verladen wird.
            Einige Bekanntschaften konnte ich hier machen. Klaus aus Berlin ist mit Pumo vom Süden kommend hier eingelaufen, er ist nach Hause geflogen und Pumo, eine Seglerin aus Frankfurt, wird das Schiff in die Azoren überführen. Ihre Freundin, Christine, ist eingetroffen und sie segeln nach Norden um durch die Torres-Stasse in den indischen Ozean zu gelangen. Einmal kamen die beiden Damen zu mir zum Essen und einmal ging ich zu ihnen.
            Jeden Donnerstag und jeden Samstag Abend kann man hier an einem Segler-Grillabend teilnehmen, der auf vorhandenen elektrischen Grillplatten im Park am Ufer der Marina abgehalten wird. Gedeckte und beleuchtete Tische mit Bänken sind genügend vorhanden und es kommen so an die zwanzig Männlein und Weiblein zusammen. Einige spielen auf Gitarren und singen oder spielen auf einer Mundharmonika, die anderen diskutieren zusammen und, für mich wichtig, sprechen über die Häfen und Ankerplätze im Süden.
            Am Donnerstag, den 14. sind entlich die Ersatzteile aus Japan eingetroffen, natürlich nicht ohne zuerst von Brisbane aus einen Umweg über Melburne zu machen, hier eingetroffen. Der Mechaniker hat sofort angefangen, den Motor wieder zusammen zu bauen und er hofft (ich auch!, dass er am Dienstag wieder eingebaut werden kann. Zuerst wird in der Werkstatt noch ein Probelauf gemacht.
            Der Motorenraum und die Motorenbilge habe ich sauber geputzt, da ich sonst nicht Zugang habe, meine Arme sind zu kurz! Ist der Motor wieder drin, werde ich gleich Richtung Süden segeln, um noch vor dem 12. August in Brisbane mein Visa zu verlängern. Zuerst werde ich aber noch einen australischen Freund in Mooloolaba besuchen, den ich in Boracai, auf den Philippinen kennen gelernt habe.
            Am Sonntag, den 17. Juli habe ich mit meinem Fahrrad den Botaischen Garten von Gladstone besucht. Er liegt auf der Nordseite einer Hügelkette an einem Wasserlauf, der sich im unteren Teil des Geländes zu einem kleinen See erweitert, der voller einheimischer Vögel ist. Vorherrschend sind Enten, die gleich beim Restaurant herumschwimmen und von den Kindern ihr halbes Frühstück erwarten. Andere wie schwarze Schwäne, Wasserhühner, Reiher, Ibisse und Kormorane sind scheuer und sind nur aus der Ferne zu bewundern. Auf den Bäumen tummeln sich viele verschiedene Vögel, die ich nicht kenne, sind sie doch in Australien endemisch.
            Leider ist jetzt hier Winter und es waren nur wenige Blüten zu sehen. An verschiedenen Pflanzen befanden sich noch Früchte. Auf dem Weg zum Garten waren der Strasse entlang die Mimosen in blüte und waren voller Inskten, die sich an ihrem Saft labten. In einem Graben der Strasse entlang habe ich auch eine Pflanze entdeckt, die gerade jetzt blüht, der Name dieser weiss ich aber nicht. Auf der Strasse befand sich ein überfahrenes Känguru, das einzige, was ich bis jetzt gesehen habe.
            Mitwoch Morgen, den 20 Juli brachten die Mechaniker den motor zurück und es dauerte fast den ganzen Tag, bis er eingebaut war. Wir starteten den Motor und der Mechaniker sagte, ich solle einen Gang rein tun, damit die Zylinder unter Last eingeschliffen würden. Nach kurzer Zeit ging der motor aber wieder von selber aus, weil er keinen Diesel mehr bekommen hat. Zum Glück war der Mechaniker noch nicht weit weg und ich rief ihn zurück. Er pumpte und pumpte, der Diesel kam aber nicht. Es war fünf Uhr und er sagte, er komme am nächsten Morgen.
            Nachdem wieder gepumpt wurde und nichts passierte, baute er die Dieselpumpe aus und ging damit in die Werkstatt. Gegen Mittag kam er zurück und sagte, dass die Pumpe defekt sei, die neue komme am Freitag in gladstone an. Die neue Pumpe wurde eingebaut aber es ging immer noch nichts. Die ganzen Dieselleitungen wurden nun überprüft und sie fanden heraus, dass der O-Ring am filter nicht mit der Auflage übereinstimmte. Es wurden neue Filter organisiert und zur gleichen Zeit wurden alle Dieselschläuche ausgewechselt. Uns siehe da! es funktionierte.
            Heute Morgen bin ich zum Mechaniker gegangen, um die Rechnung zu bezahlen. Schlussendlich kostet mich der ganze Spass 11'400 australische Dollars. Dies reisst ein grosses Loch in mein Budget. Nun, was sein muss, muss sein, ohne Motor wäre meine Weltumsegelung ein bisschen mühsam.
            Der Wetterbericht verspricht mir, dass ab Montag, der Wind nicht mehr so stark blasen wird, wie es die letzte Woche der Fall war, hat es doch bis zu 30 Knoten Wind gegeben. Ich werde am Montag auslaufen und sehr wahrscheinlich gleich die Nacht durchsegeln, da ich vor dem 12 August in Brisbane mein Visum verlängern muss.
           
Gegen Mittag des 25. Juli konnte ich mit ablaufendem Wasser die Marina von Gladstone verlassen. Gleich setzte ich die Segel und es ging Richtung Bundaberg. Da ich den Fluss erst am Mittag verlassen konnte, erreichte ich den Pancake Creek nicht vor dem Einnachten. So beschloss ich, die Nacht durchzusegeln. Gegen 10 Uhr am nächsten Morgen stand ich vor der Einfahrt nach Bundaberg. Ich ging nicht hinein und sagte mir, was soll ich dort den ganzen Tag, ich segle lieber weiter und mache auch die nächste Nacht durch.
            Am Mittwoch so gegen drei Uhr nachmittags erreichte ich den Ankerplatz am Ufer von Fraser Island, nachdem ich die Hervey Bay durchquert hatte. In dieser Bucht sollen jedes Jahr viele der 2000 Buckelwale hinkommen, um ihre „Babys“ gross zu ziehen, die die kalte Jahreszeit in der Antarktis nicht überleben würden. Diese Wale werden bis 17 Meter lang und wiegen an die 45 Tonnen. Es werden auf der südlichen Halbkugel etwa 6000 Buckelwale gezählt und sind total geschützt.
            Nachdem ich wieder einmal die Dieselfilter gewechselt habe, durchfuhr ich die „Great Sandy Strait“ zwischen dem Festland und der Insel Fraser. Am Ausgang hinter einem Kap und einer Sanddüne ankerte ich für die Nacht. Am Freitag Morgen fuhr ich aus der „Wide Sandy Bay“ hinaus aufs offene Meer, setzte Segel, kam aber nicht voran, da der Westwind sehr schwach war.
            Dafür hatte ich so gegen ein Uhr ein tolles Erlebnis: Ungefähr 100 Meter vom Schiff weg tümmelte sich ein Buckelwal, den ersten, den ich in meinem Leben gesehen habe! Er blies die Atemluft aus, das sieht wie ein Springbrunnen aus und er sprang aus dem Wasser. Dabei drehte er sich in der Luft auf den Rücken und klatschte wieder ins Meer zurück. Leider konnte ich kein Bild von ihm machen da ich kein so starkes Teleobjektiv an meiner Digitalkamera habe. Er schwamm auch von mir weg Richtung Norden. Gegen Abend sah ich noch einen, er hat aber nur ausgeblasen und ist nicht aus dem Wasser gesprungen.
            Da ich den vorgesehenen Ankerplatz nicht erreicht habe, beschloss ich, gleich die Nacht durchzusegeln, um nach dem Sonnenaufgang in den Hafen von Mooloolaba einzulaufen. In der Nacht nahm der Wind zu und ich musste die Fock bergen, damit ich nicht zu früh vor der Einfahrt eintraf. Trotzdem musste ich einen Schlag gegen Norden machen, war ich halt doch noch zu früh. So gegen sieben Uhr nahm ich die Einfahrt in Angriff und fuhr mit dem Motor in den Fluss hinein zur Lawrie’s Marina, die sehr nahe bei meinem Freund Greg gelegen ist. Leider haben sie keinen freien Platz gehabt und ich musste zurück zum Yachtclub.
            Nachdem ich in der Rezeption für zwei Tage bezahlt hatte (45 Dollar die Nacht!) habe ich Greg angerufen und er holte mich ab. Er hat ein sehr schönes Haus und hat damals vor vielen Jahren das Haus günstig gekauft, das heute zehn mal mehr Wert hat. Seine Frau Val war vor kurzem im Spital und musste sich die Arterien in den Lenden ersetzen lassen, sie hat immer noch Schmerzen und muss natürlich Medikamente nehmen, damit der Körper die Kunststoffarterien nicht abstösst.
            Warum war die Marina so voll? Der Grund war, dass sie ein altes Kriegsschiff. Die Brisbane, für die Taucher versenkt haben und halb Brisbane kam, um dieses Spektakel zu sehen. Dauer des Untergangs: zwei Minuten und viele Leute haben an die siebzig Dollar bezahlt! Am Fernseher hat man bedeutend mehr gesehen.

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