Meine Weltumsegelung

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 Von Cairns nach Gladstone 

             Jetzt sind es drei Wochen, dass ich hier in Cairns bin. Der neue GPS ist intalliert, das neue Beiboot ist klar zum Gebrauch und der Autopilot musste ich zurückgeben, da der Fluxgait-Kompass auf einem Stahlschiff nicht funktioniert. Bevor ich hier weggehe, muss ich noch etwa 800 Liter Diesel einfüllen.
            In letzter Zeit war immer viel zu viel Wind (25 bis 30 kn) und ich hätte sowieso nicht gegen den Wind in den Süden kreuzen können. Hier ist aber auch nichts los. Ausser Tauch- und Schnorchelfahrten oder Flüge zum Barrier Reef – alles sehr teuer – kann man hier auch nichts unternehmen. Es wurde mit der Zeit ein bisschen langweilig.
Seit vorgestern ist jetzt bis aufs Tanken alles erledigt, mein GPS ist für 25 Tagestörns programmiert und der Wind soll jetzt etwas abflauen. Am Freitag wird auf dem Markt noch eingekauft, Früchte und Gemüse für etwa 10 Tage. Eigentlich sollte jetzt nichts mehr im Wege stehen, dass ich in den Süden kreuzen kann.
           
Es ist Samstag, den 4. Juni. Nachdem ich um acht Uhr am Morgen an der Tankstelle 600 Liter Diesel gebunkert hatte, verliess ich die Marlin-Marina von Cairns und fuhr den Fluss hinunter aufs offene Meer hinaus hinter dem Barrie Reef. Noch immer war ich im Ausfahrtskanal,
Als ich um das Kap Grafton herum war, wollte ich die Segel setzen, nur, hier stand ein starker Strom von Süden, der mir in Vebindung mit dem Seegang, die ganze Fahrt aus dem Schiff nahm. Also, Segel wieder bergen und weiter mit der Maschine. Auch so machte ich nicht mehr Fahrt als ein bis ein ein halb Knoten. Endlich erreichte ich die Bucht der Insel Fitzroy und nahm eine Mooring auf. Entgegen der Unkenrufe, dass diese Bucht sehr „rolly“ sei, verbrachte ich eine ruhige Nacht.
            Der Tag darauf sollte mich nach Mourilyan Harbour bringen, da der Strom immer noch beachtlich war, konnte ich nicht so viel Höhe machen ,wie ich eigentlich wollte. Der Hafen war nicht zu erreichen, daher beschloss ich, die Nacht durchzusegeln. Am Morgen um sieben stand ich vor der Hafeneinfahrt und beschloss, gleich den nächsten Zielort – Dunk.Island – anzulaufen. Gegen Mittag drehte der Wind auf Ost und ich konnte ohne zu kreuzen, die Insel anlaufen, wo ich vor Anker ging.
           
Am Dienstag begann es mit Wind genau von vorne – aus Südsüdwest – und im engen Fahrwasser war es nicht möglich zu segeln. Bis nach Coombe Island fuhr ich mit dem Motor und setzte dann die Segel. Kreuzend ging es auf den Hinchinbrook-Kanal hinter der Insel Hinchinbrook zu, wo ich wieder die Segel bergen musste. Um 16 Uhr liess ich beim Scraggy Point den Anker fallen.
            Diese Nacht war nicht so ruhig wie die zuvor und es regnete die ganze Nacht. Ich dachte schon, was wird dies wieder für einen Regentag! Doch am Morgen haben sich die Regenwolken verzogen und zwischen den verbliebenen erschien gelegentlich die Sonne. Zwischen der Insel Hinchinbrook und dem Festland ist es nichts mit segeln, da die Riffe manchmal bis auf dreissig Meter ans Schiff heran kommen und der Wind von vorne kommt. Bei Lucinda habe ich am Anker die Nacht verbracht.
           
Der Donnerstag versprach sonnig zu werden und ich fuhr durch das untiefe Gebiet raus auf das offene Meer. Bei der Ladestation, die etwa zwei Meilen im Meer draussen gebaut wurde, setzte ich die Segel und es ging los. Wieder das gleiche Phänomen wie vorher, dass die Gegenströmung stark war und ich sah, dass ich den geplanten Ort nicht erreichen werde. Am Nachmittag drehte der Wind auf Ost und ich konnte genau gegen Süden segeln. Ich beschloss, die Nacht durchzusegeln, direkt nach Townsville.
  
          Die Nacht wurde aber Trickreich zwischen den Riffen, da der Wind immer wieder mit Drehungen aufgewartet hat und ich konnte nicht schlafen. Kaum hatte ich mich für einen Moment hingelegt, fingen die Segel wieder an zu killen und ich musste hinaus, um das Schiff wieder an den Wind zu bringen. Mal kam er von Süd, mal von Ost, dann wieder von Südwest, so ging es die ganze Nacht. Jedoch kam ich gut voran, der Strom hatte nachgelassen.
            Am Morgen gab es dann noch einen langen Schlag mit Ostwind auf den Kanal zwischen Magnetic Island und dem Festland zu, wo ich die Segel geborgen habe. Die letzten acht Meilen fuhr ich mit der Maschine zur Breakwater Marina, die ich so gegen zwei Uhr erreichte. Über Funk fragte ich nach dem Liegeplatz und die Dame sagte mir, ich solle an der Dieselmole anlegen und sie teile mir dann einen Platz zu. Wenn ich schon da war, habe ich gleich Diesel gebunkert und anschliessend fuhr ich an meinen Liegeplatz.
            Zwei Tage blieb ich in Townsville. Morgen Sonntag geht es wieder weiter, damit ich die Periode mit schwächeren Winden ausnützen kann. Heute wird eingekauft, das Internet konsultiert und ausgeruht.
            Wie Du siehst, habe ich einen gewaltigen Sprung in den Süden gemacht. Ich bin jetzt südlich des Wendekreises der Sonne, sein Name ist Wendekreis des Steinbockes. Es ist erheblich kälter geworden, ich muss mich warm anziehen. Nach zwei Jahren in den Tropen mit Temperaturen bei 25 bis 35 Grad im Schatten, bin ich diese Kühle nicht mehr gewohnt. Heute Morgen hatte ich vierzehn Grad im Schiff drin. Auf die nördliche Halbkugel bezogen, die wärmer ist als die südliche, liege ich jetzt ungefähr auf der Höhe der Insel San Salvador in den Bahamas, wo Kolumbus seinen ersten Kontakt mit der Neuen Welt gehabt hat.
           
Nun, um auf meine „Entdeckungsfahrt“ zurück zu kommen, startete ich in Townsville, nachdem ich mich verproviantiert hatte. Der Wetterbericht war günstig für mich, wurden doch fast durchwegs nordöstliche bis südwestliche Winde drehend über Norden angesagt und auch nicht mehr über fünf Bf. (20 Koten). Am Morgen früh lief ich aus und segelte mit leichten Winden aber ohne Seegang immerhin mit 5,5 Knoten Fahrt auf das Kap Cleveland zu und dann weiter mit Nordostwind zum Kap Bowling Green, wo ich für die Nacht vor Anker ging.Der nächte und der übernächste Tag brachten mich zu zwei anderen Kaps – Kap Upstar und Kap Edgecumbe. Mit einem grossen Sprung auch über die Nacht segelte ich um das Nordkap der Insel Gloucester herum, am George Point vorbei und zwischen den Inseln Gumbrell und Armit hindurch in die Woodwart Bay, wo ich am Tag darauf wieder vor Anker ging.
            Am 17. Juni wollte ich eigentlich nur bis zur Whitesunday-Insel segeln, da es aber so gut lief, bin ich gleich zur Marina auf der Insel Hamilton gesegelt, wo ich am Abend um fünf Uhr eingetroffen bin. Ich musste wieder mal Öl für dem Motor kaufen, der immer mehr und mehr von diesem teuren Stoff frass. Die Mechaniker in Port Moresby haben nichts herausgefunden, sie sind auch nicht die Besten und haben mir auch falsche Dieselfilter verkauft.
            Zwei Tage später ging es dann in die Sir James Smith Inselgruppe mit Namen wie Anchor-, Black-, Lady-, Lock-, Goldsmith usw. Auf der Insel Goldsmith fand ich bei Nordostwinden einen ruhigen Ankerplatz. Wenn man so die Karte von Australien anschaut, meint man, es habe nur Küste, aber in Wirklichkeit ist hier alles voller grösserer und kleinerer Inseln, gespickt mit Riffen, die bei unvorsichtigem Segeln gefährlich werden können. Da ich jetzt einen GPS mit Seekarten an Bord habe, ist es einfach, diesen auszuweichen, sehe ich doch gleich, wo ich bin.
            Von Goldsmith aus beschloss ich, wieder eine Nacht durchzusegeln, um die günstigen Winde auszunützen. Durch eine grosse Insel- und Riffwelt ging es in Richtung Südost. Am folgenden Morgen versprach mir der Wetterbericht Winde bis 30 und mehr Knoten (7 bis 8 Bf.) aus Nordwest bis West. Daher beschloss ich, den Törn abzukürzen und ich bin am Nachmittag in den Clinton Harbour, der in wirklichkeit garkein Hafen ist, eingelaufen und bin hinter zwei Riffen vor Anker gegangen. Bald fing es an zu regnen und in der Nacht wurde der Wind stärker, aber nie bis 30 Knoten. Er blies auch aus einer anderen Richtung – eher aus Südwest.Am nächsten Tag war der Himmel wohl noch mit schwazen Wolken verhangen, Regen gab es aber keinen mehr. Die Fahrt ging mit gutem West- bis Südwestwind weiter zu den Keppel-Inseln, wo ich in der Wreckbay auf Great Keppel Island vor Anker ging.
           
Um in die Bucht gegen den Wind zu kommen, war es recht Trickreich, hat doch mein Motor keinen Diesel bekommen und ich musste alle hundert Meter den Dieselfilter von Hand vollpumpen, dann ging es wieder weitere hundert Meter in einem relativ starken Gezeitenstrom, der mich wieder ein Stück zurückversetzte. Schlussendlich erreichte ich den Ankerplatz und liess auf sechs Meter den Anker fallen. Das Gezeitenhochwasser war mitten in der Nacht und lag bei vier Metern, das heisst, ich musste über dreissig Meter Kette stecken.
            Um in Gladstone den Fluss hinauf zu segeln, musste ich es so einrichten, dass ich am Morgen gegen sechs Uhr der Tide wegen an der Flussmündung eintreffe. Also ging es am Abend gegen vier Uhr los. Da ich den Motor nicht gebrauchen konnte, setzte ich das Grosssegel, habe den Anker geborgen und ich segelte aus der Bucht. Der Wind war um diese Zeit sehr schwach,und ich war froh, dass ich zwei Stunden vor der berechneten Zeit aufgebrochen bin. In der Nacht frischte der Südwestwind dann auf und ich musste die Segel reduzieren, um nicht vor der Zeit im Fluss einzutreffen. Noch bei dunkelheit erreichte ich die Ansteuerungstonne und begann im Fluss drin zu kreuzen. Ich hatte nur Zeit bis um zehn Uhr, weil dann die Tide kentert.

            Kurz vor der Marina von Gladstone rief ich über VHF-Funk die Marina an, ob sie mir eine Schlepphilfe schicken könnten, da mein Motor nicht in Ordnung sei. Sie sandten mir dann ein Schiff des Rettungsdienstes, das mich dann an den Liegeplatz schleppte.

            Am Nachmittag kam dann der Mechaniker an Bord und hat den Motor auf alles Mögliche getestet und kam zu dem Ergebnis, dass der unterste Kolbenring, der das Öl abstreifen soll, abgebraucht sei. Der Motor muss also ausgebaut werden und in der Wekstatt überholt werden – Kostenpunkt etwa 6000 Australische Dollar. Die Arbeit wird ungefähr zwei Wochen dauern.
            Nachdem der Mechaniker weg war, bin ich in die Stadt gegangen, um ein Internet-Kaffee zu suchen. Vorher habe ich in der Marina einen Einheimischen gefragt, wo so eins zu finden sei. Ich habe aber einen falschen Weg eingesclagen und bin vor der Stadtbibliothek gelandet. Gerade kam eine Frau heraus und ich fragte sie, wo ich ein Cyber Cafe finden könnte. Sie sagte mir: „Gehen Sie mal hier hinein, da ist gleich eins“ und sie zeigte auf die Bibliothek.
            Von dort aus habe ich dann an alle meine Freunde die Mails in vier Sprachen verschickt, zwar keine perfekt, aber bis jetzt hat noch niemand reklamiert, dass man mich nicht verstehen würde. Im Moment sind es 86 Mails, die ich jedesmal verschicken muss.

            Anschliessend bin ich in den Suppermarkt gegangen um Brot zu kaufen, da mein altes verschimmelt war und musste es in den Abfall tun. Hier in Australien, nicht nur in Gladstone, sondern auch in Cairns und Townsville, gibt es echtes Brot, entweder aus Roggenmehl oder roggenmehl mit Getreideschrot. Dies ist nicht dieses englisch-amerikanische Sagexbrot, das auf die Dauer ungeniessbar wird. Das heisst, man hat es schnell mal über!

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