Meine Weltumsegelung

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Copyright © André Blanc, Januar 2008



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 Über den Golf von Bengalen, Ende Oktober 2003 



            Der Abreisetag, der 23. Oktober, ist da. Ich besorge mir noch Früchte und dann kann es losgehen. Gestern habe ich bei den Behörden alles klar gemacht, damit ich um vierzehn Uhr Ortszeit ablegen kann. Die Belegleinen waren startklar und ich meldete mich bei der Marine, dass ich jetzt den Hafen verlassen werde. Der Wachhabende sagte es sei gut und wünschte mir eine gute Fahrt, ich umfuhr das Netz, das durch die Hafeneinfahrt gespannt ist.

  
         Bei der äussersten Ansteuerungstonne angekommen setzte ich das Gross, den Klüver und die Fock, der Wind blies aus Westsüdwest mit drei bis vier Bf (Beaufort) und es versprach eine schnelle Fahrt zu werden, zumal kein nennenswerter Seegang war. Nachdem sich der Kurs eingependelt hatte, stellte ich auf dem GPS eine Geschwindigkeit von sechs bis sieben Knoten fest. Sehr schön für den Beginn der Strecke von 1200 Seemeilen bis nach Phuket.
  
         Kurz vor dem Sonnenuntergang sah ich voraus Wasser in die Höhe spritzen wie von einem Springbrunnen mit Unterbrüchen. Ich fragte mich, was das wohl sein könnte, fische sah ich keine, die in die Luft sprangen. Die "Springbrunnen" zogen auf meine Backbordseite und kamen dem Schiff immer näher. Erst als einer der drei auf etwa dreissig Meter heran war, sah ich eine dunkle graublaue Masse im Wasser und begriff endlich, dass es drei Wale waren. Noch nie habe ich diese Tiere so nah an meinem Schiff gehabt, hatte aber keine Bedenken, dass sie mich rammen würden.
            Es wurde Nacht und rund um mich war alles voller Lichter: Fischer aus Sri Lanka, die in einer riesigen Anzahl das Meer in Besitz genommen hatten. Immer wieder musste ich den Kurs ändern, um ihnen auszuweichen. So ging es weiter bis etwa um halbelf Uhr, dann hatte ich die letzten hinter mir.

            Der Wind nahm auf vier bis fünf Bf zu und ich machte das erste Reff ins Grosssegel. Dies war etwa um Mitternacht, achtzehn Uhr UT (Weltzeit). An Bord wird immer eine Uhr benutzt, die auf diese
Zeit eingestellt ist. Hier habe ich eine Differenz von minus sechs Stunden zur Ortszeit, die dann gegen Thailand zu, um eine Stunde zunehmen wird.
            Der Wind nahm dann ab, ich konnte den Klüver wieder setzen und das zweite Reff wieder heraus nehmen. Immer mehr flaute der Wind ab am 25. abends betrug er noch zwei Bf. Tagesetmal 156 sm. Am Morgen darauf flaute der Wind auf einen halben Bf ab, ich barg Fock und Klüver und nahm den eisernen Gustav (Motor) in Betrieb. Dies blieb so für einen vollen Tag, dann kam wieder ein bisschen Wind auf und ich setzte erneut die Vorsegel. Immer wieder war Flaute, Motor an, Vorsegel runter und umgekehrt. So wird der Segler wenigstens in Form gehalten.
           
Ich war nun in einer Zone mit wechselnden Winden und rund um mich gab es recht viele Gewitter. Das eine und das andere hat mich auch erwischt, einmal mit sechs Bf, in aller Eile Reffen und Klüver bergen, zehn Minuten später war es vorbei und ich konnte den Klüver gleich wieder setzen.
            Ein wunderschönes Schauspiel waren in dieser Zone vor den Andamanen die Sonnenuntergänge. Da überall Wolken mit blauen Flecken sich abwechselten, fingen die Farben in gelb über orange zu rosa an
noch Regenbogen, die durch Regenfronten in meinem Lee erzeugt wurden.
Da durch den Kanal zwischen den Inseln ein starker Strom gegen Westen stand, hat das Kreuzen nichts gebracht, ich musste mit der Maschine gegen an, da in der Zwischenzeit der Wind auf Ost gedreht hatte. Endlich am 30. um neun Uhr abends hatte ich Keating Point, auf der nördlichsten Nicobaren-Insel querab. Jetzt waren es noch  vier Tage nach Phuket, wenn der Wind mitspielt. Ich hatte jetzt ENE-Wind, der mich zum Kreuzen verurteilte, so brauchte ich eben ein bisschen mehr Zeit.
Sonnenaufgang in Ao Chalong, Phuket

            Am ersten November hat mich am Abend um sieben Uhr, es war schon dunkel, ein Gewittersturm von neun Bf erwischt. Da es schon Nacht war, sah ich nicht, wie der Wind auf mich zu kam. Auf einmal war er einfach da und ich musste den Klüver bergen, nur, trotz meines Gewichtes, brachte ich das Segel nicht herunter. Ich eilte dann nach hinten, steuerte das Schiff in den Wind und konnte den Klüver endlich herunter ziehen. Natürlich war er wieder im Wasser und die Sisyphusarbeit berann. Kaum war das Segel unten, flaute der Wind auf sechs Bf ab, ich wagte aber nicht, den Klüver, da er beschädigt war, nicht mehr zu setzen.
            Am Morgen darauf holte ich den Klüver zwei heraus, steckte den alten in den Segelsack und setzte dann den kleineren Klüver. Da der Wind immer noch bei vier bis fünf Bf lag, machte ich recht gute Fahrt, jedoch Etmale wie in den ersten beiden Tage, erreichte ich nie mehr.
            Ich erreichte den Ansteuerungs-punkt, eine kleine Insel erst am Abend und konnte nicht nach Phuket einlaufen, ist doch das Gebiet mit Riffen und Untiefen gespickt. Ich habe dann alle Segel geborgen und liess mich durch den schwachen Wind für die Nacht treiben. Am Morgen um vier ging es dann mit der Maschine bei schwachem Wind auf Phuket zu, das ich dann etwa um elf Uhr erreichte.
            In der Bucht von Ao Chalong, wo alle Lanzeitsegler vor Anker gehen. Gleich nach der Ankunft, Beiboot ins Wasser, Aussenborder dran und zu den Behörden geeilt, um den Papierkrieg hinter sich zu bringen.
  
Sonnenaufgang in Ao Chalong  

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