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Über
den Golf von Bengalen, Ende Oktober 2003

Der Abreisetag,
der 23. Oktober, ist da. Ich besorge mir noch Früchte und dann kann es losgehen.
Gestern habe ich bei den Behörden alles klar gemacht, damit ich um vierzehn Uhr
Ortszeit ablegen kann. Die Belegleinen waren startklar und ich meldete
mich bei der Marine, dass ich jetzt den Hafen verlassen werde. Der Wachhabende
sagte es sei gut und wünschte mir eine gute Fahrt, ich umfuhr das Netz, das
durch die Hafeneinfahrt gespannt ist.
Bei der äussersten Ansteuerungstonne
angekommen setzte ich das Gross, den Klüver und die Fock, der Wind blies aus
Westsüdwest mit drei bis vier Bf (Beaufort) und es versprach eine schnelle
Fahrt zu werden, zumal kein nennenswerter Seegang war. Nachdem sich der Kurs
eingependelt hatte, stellte ich auf dem GPS eine Geschwindigkeit von sechs bis
sieben Knoten fest. Sehr schön für den Beginn der Strecke von 1200 Seemeilen
bis nach Phuket.
Kurz vor dem Sonnenuntergang sah ich voraus Wasser in die Höhe spritzen
wie von einem Springbrunnen mit Unterbrüchen. Ich fragte mich, was das wohl
sein könnte, fische sah ich keine, die in die Luft sprangen. Die "Springbrunnen"
zogen auf meine Backbordseite und kamen dem Schiff immer näher. Erst als einer
der drei auf etwa dreissig Meter heran war, sah ich eine dunkle graublaue Masse
im Wasser und begriff endlich, dass es drei Wale waren. Noch nie habe ich diese
Tiere so nah an meinem Schiff gehabt, hatte aber keine Bedenken, dass sie mich
rammen würden.
Es wurde Nacht und rund um mich war alles voller Lichter: Fischer aus Sri
Lanka, die in einer riesigen Anzahl das Meer in Besitz genommen hatten. Immer
wieder musste ich den Kurs ändern, um ihnen auszuweichen. So ging es weiter bis
etwa um halbelf Uhr, dann hatte ich die letzten hinter mir.
Der Wind nahm auf vier bis fünf Bf zu und ich machte das erste Reff ins
Grosssegel. Dies war etwa um Mitternacht, achtzehn Uhr UT (Weltzeit). An Bord
wird immer eine Uhr benutzt, die auf diese Zeit eingestellt ist. Hier habe ich
eine Differenz von minus sechs Stunden zur Ortszeit, die dann gegen Thailand zu,
um eine Stunde zunehmen wird.
Der Wind nahm dann ab, ich konnte den Klüver wieder setzen und das
zweite Reff wieder heraus nehmen. Immer mehr flaute der Wind ab am 25. abends
betrug er noch zwei Bf. Tagesetmal 156 sm. Am Morgen darauf flaute der Wind auf
einen halben Bf ab, ich barg Fock und Klüver und nahm den eisernen Gustav (Motor)
in Betrieb. Dies blieb so für einen vollen Tag, dann kam wieder ein bisschen
Wind auf und ich setzte erneut die Vorsegel. Immer wieder war Flaute, Motor an,
Vorsegel runter und umgekehrt. So wird der Segler wenigstens in Form gehalten.
Ich war nun in einer Zone mit wechselnden Winden und rund um mich
gab es recht viele Gewitter. Das eine und das andere hat mich auch
erwischt, einmal mit sechs Bf, in aller Eile Reffen und Klüver bergen,
zehn Minuten später war es vorbei und ich konnte den Klüver gleich
wieder setzen.
Ein
wunderschönes Schauspiel waren in dieser Zone vor den Andamanen die
Sonnenuntergänge. Da überall Wolken mit blauen Flecken sich abwechselten,
fingen die Farben in gelb über orange zu rosa an noch Regenbogen, die durch
Regenfronten in meinem Lee erzeugt wurden.
Da durch den Kanal zwischen den Inseln ein starker Strom gegen Westen stand, hat
das Kreuzen nichts gebracht, ich musste mit der Maschine gegen an, da in der
Zwischenzeit der Wind auf Ost gedreht hatte. Endlich am 30. um neun Uhr abends
hatte ich Keating Point, auf der nördlichsten Nicobaren-Insel querab. Jetzt
waren es noch vier Tage nach
Phuket, wenn der Wind mitspielt. Ich hatte jetzt ENE-Wind, der mich zum Kreuzen
verurteilte, so brauchte ich eben ein bisschen mehr Zeit.
Sonnenaufgang in Ao Chalong, Phuket
Am ersten November hat mich am Abend um sieben Uhr, es war schon dunkel,
ein Gewittersturm von neun Bf erwischt. Da es schon Nacht war, sah ich nicht,
wie der Wind auf mich zu kam. Auf einmal war er einfach da und ich musste den Klüver
bergen, nur, trotz meines Gewichtes, brachte ich das Segel nicht herunter. Ich
eilte dann nach hinten, steuerte das Schiff in den Wind und konnte den Klüver
endlich herunter ziehen. Natürlich war er wieder im Wasser und die
Sisyphusarbeit berann. Kaum war das Segel unten, flaute der Wind auf sechs Bf
ab, ich wagte aber nicht, den Klüver, da er beschädigt war, nicht mehr zu
setzen.
Am Morgen darauf holte ich den Klüver zwei heraus, steckte den alten in
den Segelsack und setzte dann den kleineren Klüver. Da der Wind immer noch bei
vier bis fünf Bf lag, machte ich recht gute Fahrt, jedoch Etmale wie in den
ersten beiden Tage, erreichte ich nie mehr.
Ich erreichte den Ansteuerungs-punkt, eine kleine Insel erst am Abend und
konnte nicht nach Phuket einlaufen, ist doch das Gebiet mit Riffen und Untiefen
gespickt. Ich habe dann alle Segel geborgen und liess mich durch den schwachen
Wind für die Nacht treiben. Am Morgen um vier ging es dann mit der Maschine bei
schwachem Wind auf Phuket zu, das ich dann etwa um elf Uhr erreichte.
In der Bucht von Ao Chalong, wo alle Lanzeitsegler
vor Anker gehen. Gleich nach der Ankunft, Beiboot ins Wasser, Aussenborder dran
und zu den Behörden geeilt, um den Papierkrieg hinter sich zu bringen.
Sonnenaufgang in Ao Chalong
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