Meine Weltumsegelung

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Copyright © André Blanc, Januar 2008



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 Sieben Wochen Jemenj

            Am 17. Juli bin ich mit den zwei Mitseglern in den Hafen von Aden eingelaufen. Nach den Behördengängen, die hier in Jemen recht einfach sind, haben wir nach vier Tagen die Füsse wieder an Land gesetzt. Als erstes bin ich zur Bank gegangen, da ich seit Zypern nirgends Geld abheben konnte und in Larnaca leider nicht genügend Dollar bekam. Endlich war ich wieder von den beiden anderen unabhängig und konnte tun und lassen, was ich wollte. Entgegen allen Angaben gibt es hier in Aden im Stadtteil Al Ma’ala einen Bankomaten, wo man sich mit Dollar versorgen kann.
            Meine Crewmitglieder machten sich auf die Suche nach Flügen, ich habe sie nicht nach ihren Zielen erkundigt. Vier oder fünf Tage später verliessen sie die Al Na’ir. Welch aufatmen! Nun hatte ich das Schiff wieder für mich allein und brauchte nicht
immer auf die anderen zu achten. Vorerst mal erholte ich mich von ihrer Gesellschaft, dann begann ich die verschiedenen Stadtteile von Aden zu erforschen.
            Eigentlich bestand Aden nur aus dem sogenannten Crater, das wirklich inmitten eines Vulkanes gebaut ist. Erst als die Engländer Südjemen zur Kolonie machten, wurden die beiden
Häfen gebaut. Dafür musste Sumpfland aufgeschüttet werden, das mit dem Material vom Ausbaggern des Kanals in den Hafen geschehen ist. Der äusserste Teil des Hafens, dort wo ich gelegen habe, heisst Tawahi und wurde von den Briten erbaut. Früher sind hier die Kreuzfahrtenschiffe vor Anker gegangen. Weiter im Inneren der riesigen Bucht entstand der eigentliche Frachthafen, der in letzter Zeit mit einem Container-Terminal erweitert wurde. Dieser Teil heisst Al Ma’ala. Ein moderner Stadtteil entstand beim Flughafen.



 


Häuser mit Geschäften in Tawahi

            1969 ist dann der Südjemen unabhängig geworden, wurde kommunistisch und viele Jemeniten wurden nach Russland, Ostdeutschland oder Kuba zur Ausbildung geschickt. Auf der Nordseite der Bucht wurde von den Russen ein thermisches Kraftwerk mit Meerwasserentsalzungs-Anlage gebaut, die immer noch in Betrieb ist. Nach dem Bürgerkrieg und dem Zusammenschluss der beiden Jemen, zerfällt alles ein wenig.


Quat kauende Seemänner

Er repariert Schuhe am Strassenrand

            Hier in Tawahi, wo ich meine übliche Abendrunde gemacht habe, habe ich schnell Kontakt zu Einheimischen bekommen. (In einer Saftbar wurde ich von einem jungen Mann angesprochen, mit dem ich dann auch die Hauptstadt besuchte. Hamzah, so lautet sein Name, ist noch in der Ausbildung und wird sein Studium nächstes Frühjahr abschliessen. Er ist zwar Jemenit, stammt aber von väterlicher wie von mütterlicher Seite von Indern ab. Seine Vorfahren sind von den Engländern als Soldaten oder als Arbeiter hierher gebracht worden.
  
         Viele ältere Männer haben mich angesprochen und mir erklärt, dass sie als Seeleute bei verschiedenen europäischen Reedereien gearbeitet hätten. Sie sind heute pensioniert und treffen sich jeden Abend am gleichen Platz und kauen Quat. Gerade hier in Tawahi treffen sich viele Nationen: viele Menschen aus Somalia und aus Indien leben hier.


Aus Somalia . . .






Frech wie bei uns

Nasser, bewacht Schiffe

            Der eigentliche Lebensnerv von Aden liegt im "Crater". Alles, was man braucht, findet man in diesem Stadtteil. Wechselstuben, Banken, Kleidergeschäfte, Juweliere usw. sind hier versammelt. Ein Geschäft zu finden, ist aber nicht einfach, sind die Gässchen mit den Läden über die ganze Stadt verteilt. Auch alle Behörden, zum Beispiel für ein Visa für Jemen, befinden sich hier. Die Einheimischen müssen dort hin, wenn sie einen Pass oder eine Identitätskarte brauchen.


Wassertanks aus der Zeit der Königin von Saba

            Ein britischer Leutnant hat 1854 in den Vulkanfelsen westlich der Stadt mit Müll gefüllte Becken gefunden. Später wurden sie vom Unrat befreit und es stellte sich heraus, dass dies sehr alte Wassertanks waren, die ehemals die Stadt mit Trinkwasser versorgt haben. Von den umliegenden Vulkanfelsen lief das Regenwasser in die Tanks und wurde dort gespeichert. Regnete es zuviel und waren die Becken voll, lief das Wasser durch einen Kanal ab ins Meer. Leider weiss man nicht, wann und von wem diese erbaut wurden.
            Warum so lange Aden? Meine Crew konnte nirgends zwei drei Tage bleiben, wo es kein kaltes Bier gab. Um möglichst schnell in einen Ort zu kommen wollten sie auch die Nächte durchsegeln. Mit der Natur hatten sie nichts am Hut. Später habe ich dann auch darauf gedrängt, möglichst schnell den einen in Aden auszuladen. Der andere Grund war, dass ich lange Zeit auf mein Visum für Indien warten musste. Der dritte ist der, dass eigentlich nur im September das Überqueren des indischen Ozeans empfohlen wird.

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