Alles
klar, wir können auslaufen!
Erstens
kommt es anders . . .
Heute Abend (28. Mai 2003) um acht Uhr wird es dann losgehen. Laut den
Wetterberichten auf dem Internet soll der Wind vorerst aus West, später aus
Ost, drehend auf Süd mit maximal fünf Bf. blasen. Später soll er dann auf
West bis Nordwest zurückdrehen.
Nach dem Ablegen
in Larnaca ging die Fahrt vorerst flott voran. Um drei Uhr morgens schlief der
Wind dann ein und wir mussten die Vorsegel bergen. Mit der Maschine ging es
weiter Richtung Süden. Am Morgen um sechs setzte ein leichter Ostwind ein und
wir konnten wieder segeln. Der Wetterbericht um neun versprach uns Winde aus
West bis Nordwest und ein schwaches Höhentief sei westlich von uns.
Es frischte bis
auf vier Bf. auf und wir liefen mit sechs bis sieben Knoten nach Südsüdwest
auf unser Ziel zu. Die Mannschaft wurde Seekrank und wollte nichts essen,
Moritz
lag die ganze Zeit in seiner Koje. Länger als zum Navigieren konnte ich mich
auch nicht im Schiff aufhalten, wurde der Seegang doch immer höher.
Kreuzend ging es dann mit voller Besegelung nach
Westen auf die Einfahrt zu. Am Abend habe ich das erste mal gekocht und die
Mannschaft ass auch mit unterschiedlichem Appetit. Gegen vier Uhr morgens drehte
der Wind dann auf WNW und wir konnten die Ansteuerungstonne anliegen. Als die
Tonne erreicht war, wurden die Segel geborgen und wir fuhren im betonnten Kanal
auf die Stadt zu.
Auf
einmal fing das Barometer an zu fallen. Am Anfang glaubte ich, dass dies die
normale Tendenz sei, da wir weiter gegen Süden kamen. Als er aber immer weiter
fiel, mussten wir uns Gedanken machen. Der Wind aus Ost wurde stärker und dann
gegen neun Uhr abends haben wir das erste und das zweite Reff eingezogen. Später
flaute der Wind ab und kam dann aus Südwest und frischte auf.
In der Nacht sank
das Barometer auf 996 hPa und auf einmal hatten wir einen ausgewachsenen Sturm:
acht bis neun Bf. Klüver bergen, drittes und viertes Reff einziehen und die
Fock reffen, eine nasse Angelegenheit. Unser Kurs, hart am Wind, brachte uns
trotzdem nach Ostsüdost. Am Morgen dann flaute der Wind ab, wir konnten die
Fock wieder ausreffen und er drehte nach Westsüdwest. Wir waren noch 50 Meilen
von Port Said entfernt.
Im Slalom ging es durch den Kanal, mussten wir doch vielen Fischern ausweichen,
die ihre Netze schleppten. Gegen zehn Uhr
erreichten wir dann unbeschadet Port Fouad, brachten den Anker aus und zwei
Leinen an den Steg. Nun begann der Behördenkram und die Verhandlung mit dem
Agenten für die Kanaldurchfahrt. Kostenpunkt mit Visa und Hafengebühren: 590
US$.
Brücke über den Suezkanal
Tags darauf um neun Uhr kam der Lotse an Bord und wir liefen in den Suez
Kanal ein. Vom Kanal aus sieht man praktisch nichts, da sich die Ufer uns als Wälle
präsentieren, die aus dem Aushubmaterial bestehen.
Am Abend nach erreichen der halben Strecke liefen wir Ismailia an und setzten
den Lotsen an Land. Ohne Diskussion über die Höhe des Bakschischs ging es ihm
aber nicht gab. Der Agent in Port Said sagte uns, der Lotse sei von der Kanalbehörde
Am Morgen um acht holte ich den
neuen Piloten an Bord – er brachte uns Brot und Bananen mit und wollte dafür
drei Dollar haben, ein wenig zuviel aber es war seinerseits eine schöne Geste.
Wieder fuhren wir einen Tag unter Motor durch den Kanal. Im grossen Bittersee
mussten wir auf Geheiss der Kanalbehörden für eine Stunde ankern, da ein
Konvoi grosser Frachter von Süden kam.
Flott ging es dann weiter bis wir so gegen sechs Uhr abends Port Tewfik,
das Ende des Kanals, erreichten. Eine Barke des Suez-Yacht-Clubs war uns beim
Anlegen an den Tonnen behilflich und nahm den Lotsen mit an Land. Mit dem Lotsen
gab es keine Diskussion, er war mit den zehn Dollars zufrieden, ist es doch für
ihn eine grosse Summe. Der Vertreter des Agenten von Port Said brachte und
eine riesige Schachtel voll Patisserie, sehr süss aber für drei Mann viel zu
viel.
Ausser uns
lagen noch zwei Segelschiffe an den Tonnen: ein Motorsegler aus Südafrika und
eine kleine Yacht, die ich eigentlich kennen sollte. Das Rätsel war schnell gelöst:
der Eigner fuhr mit seinem Dingi an mir vorbei und da erkannte ich ihn. „Lello“
rief ich, „was machst du den hier?“ Es war ein italienischer Freund, den ich
seit vielen Jahren kenne und jetzt auf der Rückreise von seiner sieben jährigen
Weltumsegelung war.
Ich rief ihn dann an Bord und er erzählte von seinen Abenteuern. Nach
einer „Spaghettata“ gingen wir gemeinsam in die Stadt und er zeigte uns, wo
sich der Markt befand. Anschliessend gab ich ihm meine Seekarten von
Griechenland und im Gegenzug erhielt ich welche von Indien, Sri Lanka und
Malaysia. Schön, nach so vielen Jahren einen alten Freund wieder zu treffen!
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